Ich glaube irgendwann im Winter 2012/2013 hatte ich den Koller. Ich bin gerade von meiner ersten grossen Reise zurückgekommen und hatte den Winter irgendwie schon wieder satt bevor er überhaupt angefangen hat. Ich bin gar kein Winterkind und bei Temperaturen unter 20° Grad bekomme ich Frostbeulen und mein Nervensystem und die Motivation verabschieden sich in den Winterschlaf. Ich hatte Lust auf etwas neues und wollte mal aus dem Hamsterrad ausbrechen.

Viele meiner Freunde und Bekannten reisten zu dieser Zeit mit dem Rucksack durch die Welt. Einige nutzten die Uni-Ferien und andere waren nur Temporär angestellt oder haben immer wieder gekündigt um neue Abenteuer zu erleben. Sie alle zeigten mir schöne Fotos von Wasserfällen, Salzwüsten und endlosen Stränden. Die Geschichten die sie erzählten waren mindestens so vielfältig wie die Fotos. Und irgendwann dachte ich mir: das will ich auch. Ich war schon immer ein Macher. Meistens fälle ich meine Entscheide aus dem Bauch heraus und ziemlich schnell. Also habe ich mal unbezahlten Urlaub für zwei Monate eingegeben. Dann googelte ich mal ein bisschen was sich denn als Reiseanfänger so eignen würde. Damals gab es weder Instagram noch Pinterest. Ich habe meine Recherche vorwiegend auf Reiseblogs und Reiseforen beschränkt. Schon bald habe ich herausgefunden; Neuseeland ist vielfältig, englischsprachig und geeignet für Reisegreenhorns wie mich. Ehe ich mich für das Land am anderen Ende der Welt (ich musste zuerst nachschlagen wo sich dieses Land überhaupt befindet) entschieden habe, bin ich auch schon eines sonnigen Nachmittags ins Reisebüro spaziert. Die Reiseberaterin fragte mich ob ich einfach nach Neuseeland reisen möchte oder ob ich noch Zwischenstopps einlegen möchte. Ich habe dann bemerkt dass es doch ein bisschen grotesk wäre, zwei Monate im selben Land zu verbringen und habe mich spontan für einen Abstecher nach Australien entschieden. Mit einem Flugticket nach Christchurch und via Perth zurück habe ich am selben Tag das Reisebüro verlassen.

Silvester 2013

Richtig nervös wurde ich eigentlich erst so 24 Stunden vor dem Abflug. Bis dahin konnte ich mir nichts unter einem Backpackingabenteuer geschweige denn unter Neuseeland oder dem alleine Reisen vorstellen – und das ist auch gut so. Denn wenn du keine Erwartungen hast und nicht zu viel darüber nachdenkst, dann werden die Erwartungen immer übertroffen. Ich war damals ein riesiger Scheisser und habe bereits die ganze Nacht wach im Bett gelegen. Als dann der Wecker ging wollte ich einfach nur liegen bleiben. Aber ich bin so unendlich stolz auf mich, dass ich am 31. Dezember 2013 allen Mut zusammen nahm, an den Flughafen fuhr und in dieses Flugzeug gestiegen bin. Denn das Jahr 2014 hat für mich zwar relativ unspektakulär begonnen und trotzdem war es der Startschuss zu einem neuen Lebensabschnitt. Ich war irgendwo auf 12’000 Metern über dem australischen Outback, nur mit mir allein – und unzähligen schnarchenden Männer und schmatzenden Chinesen – aber ich hatte ein riesiges Strahlen im Gesicht. Ich konnte es kaum erwarten, nach zwei Tagen und zwei Nächten endlich neuseeländischen Boden unter den Füssen zu haben.

Backpacking Neuseeland

Ich bin in Christchurch gelandet und konnte bei Bekannten übernachten. Dazu aber später mal mehr. Am nächsten Tag fing bereits das Abenteuer Backpacking am Flughafen in Christchurch an. Ich habe mir im Vorfeld viele Gedanken über das Reisen in Neuseeland gemacht und habe mich dann für den Anfang für Stray entschieden. Das ist ein Busunternehmen, welches den typischen Touristenrouten folgt, unterwegs immer mal wieder nöimen haltet, wo du gegen Geld aus dem Flugzeug oder in eine Schlucht springen kannst – natürlich mit professioneller Unterstützung! Die erste Nacht muss zwar vor Ort bezahlt werden, ist aber immer garantiert. So bin ich frisch fröhlich in den Bus eingestiegen und habe bemerkt, dass ich nicht wirklich gut Englisch spreche. Aber durch das viele Zuhören habe ich innert Kürze mehr gelernt als während meinen 5 Jahren in der Schule. Kaikoura war unser erster Halt. Gegen Nachmittag sind wir hier angekommen. Das Ganze lief eigentlich ganz einfach ab: der Fahrer ging zur Rezeptionistin und erklärte ihr wie viele Leute hier übernachten und dann ging einfach einer um den anderen an die Rezeption und zahlte für ein 4er, 6er, 8er oder 10er Zimmer. Ein bisschen wie im Skilager wobei die Zimmer mit den meisten Betten am billigsten und somit am beliebtesten waren. Danach gings ans Einkaufen. Ich habe mir ja bis zu diesem Zeitpunkt noch absolut keine Gedanken gemacht wie sich so Backpacker verpflegen. Da eigentlich alle aus dem Bus auch erst am Vortag gelandet sind, haben sich viele mit Haufenweise Essen zugedeckt. Das heisst so gut wie: Teigwaren, Reis, Couscous und Haferflocken. Eigentlich alles was lange anhält und günstig ist. Joa ich habe mich da mal für ein paar Äpfel und ein Pack Instantsuppe entschieden. So war ich die nächsten paar Tage zugedeckt. Denn auf Reisen habe ich praktisch nie Hunger.

In den nächsten Tagen habe ich viele neue und interessante Menschen kennengelernt, Marshmallows über dem Feuer gebrätlet, Wandertouren durch den Regenwald unternommen, lange und lustige Busfahrten erlebt und mit neuen Bekanntschaften bis in die Nacht Karten gespielt und gekocht. Ich habe mich nicht einmal gross am Regen gestört weil immer etwas los war. Doch nach 10 Tagen bin ich in Queenstown aus dem Bus ausgestiegen. In diesen zehn Tagen habe ich in 8 verschiedenen Hostels übernachten. Fast jeden Tag sind wir weiter gezogen. Ich vermisste das in den Tag hineinleben – das wovon alle Reisenden immer wieder geschwärmt haben. Natürlich gibt es im Straybus die Möglichkeit auszusteigen und den nächsten zu nehmen. Allerdings musste hierfür in Auckland angerufen werden – was ich zweimal gemacht habe – doch in der Hochsaison sind natürlich viele Busse bereits gut gefüllt und ein spontanes ein- und aussteigen ist somit unmöglich ausser ich hätte 10 Tage an einem Ort gewartet. Daher entschloss ich mich in Queenstown auszusteigen und die restlichen 5 Reisetage verfallen zu lassen. Den Milford Sound habe ich dann auf eigene Faust mit dem Intercitybus erkundet. Dort habe ich dann auch herausgefunden, dass ich wirklich was kann. Schliesslich habe ich mir selber ein Hostel ausgesucht, dort Leute kennen gelernt und hatte eine tolle Zeit.

Fazit

Zu Beginn brauchte es die richtige Prise Naivität, dann ein bisschen Kreativität, viel Vorfreude und zum Schluss einfach nur Mut. Ich habe ganz viele Male meine Komfortzone verlassen und als ich beispielsweise in Australien – wo die meisten Tiere giftig sind – unter freiem Himmel übernachtete, da habe ich mich schon gefragt warum ich mir das eigentlich antue. Aber ich habe überlebt und noch heute sattelt mich das Hünerkombi, wenn ich an diese Nächte mit dem millionenschweren Sternenhimmel zurückdenke. Zudem pflege ich noch heute Kontakt zu einigen Bekanntschaften von damals. Ohne diese Reise hätte ich niemals jeden Rappen für das nächste Abenteuer zusammen gespart. Heute, gut 7 Jahre später habe ich bereits viele Länder und Regionen entdeckt – aber noch lange nicht genug.

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