Im Februar 2014 bin ich von Neuseeland weiter nach Australien gereist. Ich war zum ersten Mal in Australien und habe mir im Vorfeld lange überlegt, ob ich den Mainstream Touristen durch die Ostküste nachreisen möchte, oder ob ich eine unkonventionelle Route wählen sollte. Ich habe mich dann für letzteres entschieden und bin von Adelaide in Southern Australia bis nach Exmouth am nordwestlichen Ende Australiens gereist. In diesem Blogbeitrag erzähle ich euch von meinen ersten Eindrücken vom australischen Outback, fernab der Zivilisation.

Reiseplan

Ich war alleine unterwegs und die Möglichkeiten, unabhängig von A nach B zu reisen halten sich in Australien in Grenzen – es sei denn du entscheidest dich für die populäre Ostküste. Um von Adelaide nach Perth zu kommen gibt es folgende Möglichkeiten: mit dem Mietwagen oder einem Camper – da ich alleine reiste war dies für mich keine Option – mit dem Zug oder einer Gruppenreise. Der Zug ist vollkommen überteuert und düst in nur drei Tagen durch das Outback bis nach Perth. Daher habe ich mich für die Gruppenreise entschieden. Entgegen meiner Vorfreude waren wir lediglich 3 Personen. Und drücken wir es mal so aus: die anderen zwei Reisenden hätte ich nicht unbedingt freiwillig in mein Brennbal-Team im Turnunterricht gewählt. Das hatte ich nun davon, wenn ich den Touristenmassen ausweichen wollte. Aber Reisen ist auch immer eine Herausforderung und die Kunst, das Beste aus der Situation zu machen. Mit einem Minivan, einer super Tourguidin soll es während 10 Tagen von Adelaide nach Perth gehen. Als Backpacker wird natürlich auf das Budget geachtet und ich wusste, dass ich keine Luxus mitgebucht hatte. Aber alles der Reihe nach.

Mit gut 3’000km vor uns starten wir die Tour Richtung Norden. In einer kleinen Bäckerei verpflegen wir uns erstmal und Sandy, unsere Tourguidin, Köchin und Fahrerin, erklärt uns was wir denn so machen werden. Der erste Punkt auf dem Programm wird infolge Buschfeuer schonmal gestrichen. Wir düsen daher direkt Richtung Port Lincoln wo wir ein erstes Mittagessen direkt am Meer geniessen. Nach einer Abkühlung und dem Abwasch fahren wir weiter. Und während wir so der Abendsonne entgegen tuckern und immer wieder auf schmalere Wege abbiegen erklärt uns Sandy, dass wir die nächsten zehn Nächte in einem Swag übernachten. Das ist eine Art Core-Tex Schlafsack mit einer dünnen Matratze aus Schaumgummi drin. Klingt erstmal sehr praktisch. Wir werden vorwiegend frei campieren das heisst nur alle paar Tage werden wir sanitäre Anlagen von nahem sehen. Spätestens jetzt ist auch klar wieso der Swag so stinkt.

Übernachten in freier Wildbahn

Wer in der Schule aufgepasst hat weiss spätestens seit der 9. Klasse auch, dass Australien die Heimat vieler endemischer Tiere ist. Nebst den süssen Kängurulis und Koalabärchen hausen hier aber auch unzählige Schlangen, Spinnen, Skorpione und sonstige Reptilien und Insekten, die dich natürlich am liebsten tot sehen. Ich rechne mir also schon seit ca. 14.00h meine Überlebenschancen aus. Da ich aber glücklicherweise ziemlich schlecht im Rechnen bin, lasse ich das ganze schnell wieder bleiben. In Australien wird es aufgrund der Nähe zum Äquator relativ früh finster. So essen wir bereits um 17.00h Znacht damit wir den Abwasch noch vor dem Eindunkeln erledigen können. Ich bin gerade dabei das Wasser vom Abwasch in die Wildnis zu kippen – ist übrigens erlaubt – als mir gefühlte 10cm vor meinem Kopf eine Kreatur entgegen schreit. Naja es klingt eher wie ein Esel auf Drogen. Sandy erklärt mir dann, dass dies ein Koalabär ist. Und nicht irgend einer sondern ein ziemlich brünstiger. Nachdem ich mich bettfertig gemacht habe und mit einem sehr mulmigen Gefühl meinen Swag ausrolle – der Swag muss übrigens immer bis zur letzten Minute zusammengerollt auf dem Boden liegen, damit keine giftigen Tiere hinein kriechen können – höre ich also dem frisch fröhlich brünstigen Koala zu. Allerdings vergesse ich beim Anblick des Sternenhimmels kurz meine Sorgen von irgendwas giftigem umgebracht zu werden. Ich sehe Millionen von Sternen und sogar die Milchstrasse. Der Koala ist mittlerweile verstummt. Entweder ist ein taubes Weibchen auf seine schrecklichen Gesangskünste abgefahren oder er hat eingesehen dass niemand auf sein unattraktives Stöhnen steht. Am nächsten Morgen bin ich um ca. 04.00h aufgewacht und war heilfroh als es bereits dämmerte.

Die wichtigste Regel vor dem Aufstehen ist: die Schuhe sollten ja bereits am Vorabend umgekehrt auf den Boden gelegt werden damit keine giftigen Spinnen reinspazieren können – die Schuhe auf blinde Passagiere zu kontrollieren. Danach muss natürlich erstmal ein Geschäft erledigt werden. Doch man stelle sich vor, alle Touristen würden hier einfach die Gegend zu Kacken, das ist natürlich ein absolutes No-Go. Daher gibt es eine simple Regel. Wer für grosse Mädchen oder Jungs muss, der nimmt nebst dem Klopapier und einer Plastiktüte auch eine Schaufel mit. Damit wird ein 10cm tiefes Loch gegraben, das im Anschluss wieder mit Erde zugedeckt wird. Das Klopapier kommt der Natur zu Liebe natürlich in den Plastiksack und wird artgerecht entsorg. Yammi und das alles vor dem Frühstück.

Die Tage laufen alle ziemlich ähnlich ab. Wir stehen mit der Sonne auf und gehen mit ihr wieder ins Bett. Wir fahren viel und lange, doch wir halten unterwegs auch immer wieder an und schauen uns kleine Dörfchen an oder machen eine Mittagspause am Meer. Wir sehen die schönsten Strände und sind praktisch immer alleine. Alle 500km kommt ein Billabong Roadhouse. Dort gibt es Verpflegungs- und Tankmöglichkeiten und dann folgt wieder Wildniss. Ich liebe die Strände hier unten, sie sind einfach wunderschön, das Meer hat eine geniale Farbe und ich liebe das Gefühl, der einzige Mensch hier zu sein. Das tolle an unserer kleinen Gruppe – wir sind sehr individuell und unabhängig unterwegs. WC-Pausen dauern nicht so lange und so haben wir mehr Zeit an der Sonne und am Meer.

Duschen – eine Herausforderung

Aber kommen wir zum nächsten Thema: dem Duschen. Nach drei Tagen erreichen wir einen Campingplatz, der Toiletten und Duschen hat. Ich freue mich richtig darauf, das angetrocknete Salzwasser und den Schweiss mal abzuwaschen. Wir fahren wieder mitten ins Göttis raus und plötzlich hält Sandy an: wir sind da. Voller Freude springe ich aus dem Van – meine Duschsachen bereits in der Hand. Ich spaziere mit einem breiten Grinsen zu den Duschen. Im Schlepptau gefühlte 1000 Fliegen. Das liege aber an der Region, nicht an meiner Ausdünstung hat mir Crazy Carly, die Eigentümerin hier, versichert. Doch bei den Duschen angekommen ist die verwöhnte Schwiezer Göre erstmal mechanisch überfordert. Nach einigem begutachten habe ich einen Hebel gefunden. Doch da kommt kein Wasser raus. Nach näherem Anschauen habe ich bemerkt dass der Kessel, der als Wasserbrause dient, wohl erst gefüllt werden muss. Doch um den Kessel abzuhängen fehlen mir leider ca. 15cm an Höhe. Mein lieber Gruppenbuddy hat mir dann geholfen. Er hat mir auch den Eimer gefüllt und wieder angehängt. Endlich konnte ich meine Dusche nehmen. Ich war also gerade so voller Seife und hab mein neues Leben gefeiert, als kein Wasser mehr raus kam. Ob der Kessel jetzt verstopft ist, frage ich mich. Da fällt mir ein; Sandy hat gesagt wir sollen während dem Einseifen den Wasserhahn zu drehen. Habe ich glatt vergessen, also habe ich ein Schämeli gesucht, den Kessel selber abgehängt, bin halb nackt zum Wasserhahn spaziert, habe die Pfludi wieder gefüllt und wieder aufgehängt. Kurz darauf habe ich das Seilkonstrukt entdeckt – es wäre also auch ohne Schämeli gegangen. Danach bin ich frisch säuberlich direkt zur Kühlbox gelaufen und musste mir erstmal ein Glass Wein einschenken.

Cape le Grande Nationalpark

Das Abenteuer Outback neigt sich langsam dem Ende zu. Da wir immer noch zu viert unterwegs sind, sind wir nach wie vor sehr flexibel und entscheiden auch immer gemeinsam, wo ungefähr wir übernachten werden. Da ich mit zwei Männern unterwegs bin und eine sehr dehnbare Blase habe, kommen wir auch locker 5 Stunden ohne Pipi-Pause aus. So entschieden wir uns bereits einige Tage vorher, dass wir die vier Tagesetappen in drei packen um eine Nacht länger im Cape le Grande Nationalpark zu übernachten. Einer meiner Reisebuddies hat diese Reise bereits in die entgegengesetzte Richtung gemacht und schwärmt bereits seit Tagen vom kristallblauen Wasser mit dem puderzuckerweissen Strand, wo täglich unzählige Kängurus zu sehen sind. Das Wetterglück von Neuseeland verfolgt mich auch durch Australien. So gibt es an dieser Stelle im Outback ca. alle drei Jahre einmal Regen. Natürlich habe ich genau diese drei Tage getroffen. Aber keine Angst, wir haben auch Zelte dabei – das hat uns Sandy gottseidank in letzter Sekunde noch mitgeteilt. So ist das Wetter auch bei der Ankunft im Nationalpark sehr durchzogen und unsere erste Amtshandlung ist das Aufstellen der Zelte. Es giesst immer mal wieder aus kübeln aber wir haben uns die Zeit hier nicht verderben lassen. Wir haben Wanderungen – sogenanntes Beachhopping – unternommen und die schönsten Strände gesehen, eine Klettertour auf den Frenchmans Peak gemacht und mit selbst gebastelten Angelruten das Abendessen gefischt. Wir haben Haifische gesehen und sind in der freien Natur mit Delfinen geschwommen und haben die Kängurus im Sonnenaufgang beobachtet. Ich habe einen neuen Happyplace gefunden.

Fazit

Mein Handy hatte bereits nach 2 Stunden keinen Empfang mehr und irgendwann nach Tag 3 war dann auch der Akku leer. Ich habe 10 Tage meist ohne fliessend Wasser und ohne Strom gelebt. Fünf der zehn Nächte habe ich unter dem offenen Himmel verbracht und bin nicht gestorben. Wie viele Insekten währenddessen in meinen Mund gekrabbelt sind weiss ich bis heute nicht und will ich auch nicht wissen. Ich habe die schönsten Sternenhimmel, Sonnenaufgänge gesehen. Ich bin den einsamsten Stränden entlang spaziert und habe im blausten Wasser geschwommen. Ich habe 3 Tage ohne Dusche überlebt und bin sehr stolz darauf. Ich hatte meine erste Surfstunde und musste diese wegen einem Haifisch vorzeitig abbrechen. Ich habe eine Redbackspider, eine Brownsnake und weitere giftige Kriechtiere gesehen. Unzählige Kängurus, Koalabären, Emus, Dingos und Wombats kreuzten unsere Wege. Ich lernte tolle Leute kennen und hatte eine super schöne Zeit, sei es beim Lunch an einsamen Stränden oder Abends am Lagerfeuer. Ob ich so eine Basic Tour mit Schlafen unter dem freien Himmel nochmals machen würde: eher nein. Es war genial aber es war gleichzeitig etwas einmaliges.

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