Mit dem Slogan „it’s more fun in the Philippines“ werben die lebensfrohen Filipinos mit ihrem wunderschönen Land. Im Februar 2018 bin ich für zwei Wochen mit dem Rucksack alleine nach Palawan gereist. Aber es wäre natürlich kein richtiges Abenteuer, wenn ich nicht noch zwei Nächte in Manila beim Bruder des Schwagers der Frau meines Onkels übernachtet hätte. Ja es ist doch immer gäbig wenn du jemanden kennst der jemanden kennt, der wiederum jemanden kennt, der an einem Ort wohnt wo du gerne hin möchtest.

Port Barton Beach

Gastfreundschaft in Manila

Bei meiner Ankunft in Manila habe ich nur gewusst, dass mich obengenannter Filipino am Flughafen abholen wird. Erst bei meiner Ankunft in der Arrivalhall ist mir aufgefallen, dass ich Ausschau nach einem Filipino halte. Auf den Philippinen. In dessen Hauptstadt. Doch dank meinem absolut käsigen Aussehen hat mich mein Gastgeber eher entdeckt als ich ihn. Da er sogar meinen Namen wusste, reichte mir das als Identifikation. Unter dem Satz „du wirst am Flughafen abgeholt“ habe ich natürlich gedacht, dass mein Gastgeber mit dem Auto hier ist. Doch stattdessen hat er sich kurz ein Uber organisiert und wir sind in seine Unterkunft gefahren. Die meisten Locals hier reisen mit Uber und Sammeltaxis. Klein wie die Welt so ist war seine Nichte aus Zürich auch gerade im Lande. Ich durfte in seinem Bett übernachten während er am Boden geschlafen hat. Das nenne ich mal Gastfreundschaft. Läck hatte ich ein schlechtes Gewissen. Am nächsten Tag hat er mich auch gleich zum Domestic Flughafen gefahren. Bei meiner Rückkehr bin ich nochmals eine Nacht in Manila geblieben, habe die Mall of Asia besucht, mit dem Freund einer Freundin Feuerwerke bestaunt und die Altstadt von Manila besucht. Aber mein eigentliches Abenteuer begann auf Palawan.

Unterwasserwelt in Port Barton

Puerto Princesa

Was klingt wie eine majestätische spanische Hafenstadt ist eigentlich ein kleines Städtlein in der Mitte Palawans. Palawan ist einer der grössten der 7000 Inseln der Philippinen. Die nächsten zwei Wochen werde ich hier umherreisen. Bereits der Flug hierhin ist bilderbuchmässig schön. Über dem azurblauen Ozean sind immer wieder kleine Inseln mit schneeweissen Stränden zu sehen. Der Anflug zum Flughafen führt über den Urwald. Der Flughafen hat 4 Gates und draussen warten nicht hunderte Taxifahrer und Busse sondern lediglich ein paar verschlafene Tricycle Fahrer. Tricycle ist das philippinische Pendant zu den Tuktuks in Thailand. Ein älteres Manndli hat mich dann zu meinem Guesthouse gefahren von wo aus ich das Örtchen erkundet habe. Es gleicht einem kleinen asiatischen Städtli mit vielen leckeren Restaurants, Strassenständen und Smoothieständen.

Abendstimmung in Puerto Princesa

Port Barton

Mit dem alt bekannten Minivan ging es weiter nach Port Barton. Auf dem Weg aus der Stadt heraus haben wir an diversen Orten angehalten und Reisende, vier Kartons rohe Eier, Briefe, Benzinkanister und sonstige Güter aufgeladen. Da ich eine der kleinsten Reisenden war, wurden die Kartons mit rohen Eiern unter meinen Beinen deponiert. Ich bin also im wahrsten Sinne des Wortes auf rohen Eiern nach Port Barton gefahren. Nach ungefähr zwei Stunden Fahrt sind wir mitten im Nirgendwo links abgebogen. Die Strasse sah wirklich schlimm aus. Mit gleichem Tempo wie auf dem Highway donnerten wir durch die unzähligen Schlaglöcher. Erst als die aus der hintersten Reihe schrien und jemand am kotzen war, drosselte der Fahrer sein Tempo. Unterwegs hielten wir immer wieder an und einmal kam eine Familie aus dem Dickicht hervor und nahm die Post entgegen, die nächsten holten das Benzin und zu guter Letzt holte noch jemand die rohen Eier – die es übrigens unbeschadet bis hierhin geschafft haben – ab. Am Eingang des Dorfes mussten wir alle aussteigen und eine überteuerte Touristenkarte kaufen. Ich hätte auch einfach davon schleichen können, denn niemand wollte meine blöde Karte sehen. Aber das wusste ich ja noch nicht. Ich habe mir dann eingebildet, dass dies eine Spende an die Umwelt auf der Insel ist.

Port Barton ist ein kleiner und überschaubarer Ort und nur über eine 30km lange Schotterstrasse erreichbar. Die Strassen im Ort sehen alle so aus wie oben im Foto. Ich habe in der Kiwi Lodge übernachtet. Die gehört einem Neuseeländer, der nach den Erdbeben im 2012 mit seinem Boot ausgewandert ist (nennt man es auch auswandern wenn jemand mit seinem Boot loszieht oder ist das dann ausrudern?). Ich habe gleich einen Drink am Strand genossen und eine Tour für den nächsten Tag gebucht. Mit ein paar anderen Reisenden – alles nur Päärli – sind wir in einem dieser lustigen Boote mit Seitenstange losgetuckert. Wir machten an verschiedenen Orten Halt um zu schnorcheln. Ich habe wunderschön farbige Fische gesehen und sogar Schildkröten! Allerdings begann während einem Schnorchelgang plötzlich mein ganzer Körper zu brennen und zwicken. Den andern ist es genau gleich ergangen. Der Guide meinte nur dass das äuä Plankton ist aber er das noch nie bemerkt habe. Na dann kann es ja nicht schlimm sein. Mein Highlight war die Sandbank mitten im Nirgendwo, die voll Seesterne war. Natürlich haben wir die Seesterne nicht angefasst und das sollte auch nie jemand machen, da die sonst sterben!
Zu Beginn fand ich es recht schwierig mit anderen Reisenden in Kontakt zu treten, da selbst in Hostels viele zu zweit unterwegs waren und keine Lust auf Gesellschaft hatten. Doch beim Schnorcheln habe ich eine coole Deutsche getroffen und beim Abendessen haben sich dann noch zwei andere Traveller zu uns an den Tisch gesetzt, da das Restaurant schon voll war. Wir hatten einen richtig tollen und unvergesslich lustigen Abend.

El Nido

Nach ein paar schönen Tagen in Port Barton bin ich weiter nach El Nido gereist. Die Reise mit dem Van war gleich halsbrecherisch wie die vordere Fahrt. Ich habe aber gelernt dass die Plätze in der vordersten und kotzsichersten Reihe nur für alte und eingeschränkte Personen reserviert sind – und Schwangere. Kurzerhand war ich also hurti Schwanger und habe mir einen Platz in der Poleposition gesichert. Leider konnte ich so dem Tod fast bei jeder Kurve ins Auge blicken. Meist nahm der Fahrer es nämlich nicht so genau mit dem Tempolimit und der liebevoll aufgezeichneten Mittellinie wurde auch keine Beachtung geschenkt. Jedenfalls bin ich dann nach 3 Stunden trotzdem heil in El Nido angekommen. Zu El Nido muss jedoch einiges erwähnt werden. Der Busbahnhof ist ca. 15 Minuten ausserhalb vom Ort selber. Der Strand im Ort wiederum ist nicht zum Baden gedacht sondern mit Stühlen und Tischen bis zum letzten Zentimeter überstellt und im Wasser tummeln sich hunderte von Booten. Zudem wurde ich in Port Barton von vielen „gewarnt“ dass die Stadt ein zweiter Ballermann sei und keinen Charme aufweise. Da ich mich aber ohne Vorurteile bewegen möchte habe ich mich einfach ins Getummel gewagt und war positiv überrascht. Okay der Strand im Ort war wirklich schrecklich, aber seht selbst.

Das Zentrum von El Nido erstreckt sich über den überschaubaren Strand. Überall sind Souvenierlädeli und Restaurants mit Essen aus Allerwelt zu finden. Ich habe im Kings Landing Hostel übernachtet und kann die härzige Unterkunft mit den liebevollen Gastgebern auf jedenfall Weiterempfehlen. In El Nido habe ich übrigens einen philippinischen Mojito getestet. Doch leider werfen die lieben Menschen Basilikum statt Minze in den Cocktail und so fühlte ich mich als würde ich Pesto mit Rum trinken. Die schönsten Sonnenuntergänge soll es am Las Cabañas Beach geben. Also habe ich mir eine Transportgelegenheit organisiert und bin losgetuckert. Dort lockt ein schöner und breiter Strand mit Beachbar und Zipline im Hintergrund. Die Sicht von oben über die Palmen und das Meer ist schlicht atemberaubend. Leider entleeren die wartenden Tricyclefahrer hier ihre Blase und so riecht es bestialisch was aber zum Glück auf dem Föteli nicht zu sehen ist.

Inselhüpfen

Auch hier habe ich mich für eine Inselhoppingtour entschieden und war im Abwechslungsweise geschockt und fasziniert. Mit einem Türken und einem chinesischen Brasilianer aus dem Hostel habe ich am Strand auf unser Boot gewartet. Wir mussten eine ganze Stunde auf das Boot warten weil wir dieses mit einer chinesischen Reisegruppe teilten, die sich verspätete. Ich habe die Tour beim Hostel gebucht um die Inhaber zu unterstützen und in der Hoffnung, eine tolle Gruppe anzutreffen. Der Guide hat uns anfangs die Regeln erklärt „don’t touch the coralls. Don’t stand on it, don’t break pieces from it, just don’t fucking touch it“. Die Message ist bei so ziemlich allen auf dem Boot angekommen – ausser bei unsere chinesischen Zeitgenossen. Note to myself: im Februar ist chinesisches Neujahr. Nie mehr eine Reise im Februar unternehmen. Gleich beim ersten Schnorchelspot sind die Chinesen mit ihren Schwimmwesten ins Wasser gesprungen und natürlich sind sie auch auf sämtlichen Korallen rumgetrampelt.

7 Commandoes Beach

Der zweite Grund, der mich negativ überraschte, waren die vielen bereits abgestorbenen Korallen. Dies hat mich im Anbetracht des Verhaltens der Chinesen jedoch nicht mehr ganz so erstaunt. Auch die Menschenmengen, welche von Insel zu Insel gefahren werden war absolut ausladend. Ich bin überrascht wie wenig die Filippinos sorge tragen zu ihrer Umgebung. Aber da ich nichts an dieser Tatsache ändern kann und selber ja auch eine erkundungsgierige Touristin bin, machte ich das Beste aus dem Tag. Die Strände waren wunderschön. Feinster puderzuckerweisser Sandstrand der an kristallklares, türkisgrünes Wasser grenzte.

Damals waren Influencer und perfekt posierende Instagrammer noch kein Thema. Daher hat meine „machsch bitte hurti es Föteli vo mir“-Taktik folgendermassen: suche den Asiaten mit der krassesten Kamera aus und bitte ihn, ein Föteli von dir zu schiessen. Dieser Shot ist beim ersten Versuch entstanden. Auf die Kajakfahrt zum Secret Beach habe ich dann verzichtet, da die Kajaks gerade alle in Gebrauch waren und ich mir nicht vorstellen konnte wie der geheime Strand noch Flair haben könnte wenn da 40 Kajaks herumpaddelten. Ich habe stattdessen ein Schwümmi im Meer gezwickt.

Lio Beach

Wie bin ich eigentlich auf Palawan gekommen? Ganz einfach, eine Freundin von mir hat die Insel im 2015 bereist und war hell begeistert. Der Tourismus stecke noch in den Kinderschuhen und es gibt so viele tolle und unberührte Strände zu erkunden. Ich reiste nur knapp 2.5 Jahre später dorthin und traf eine komplett andere Welt an. Besonders Lio Beach legte sie mir ans Herzen. Mit den Rollern sind sie damals hierhin gefahren und hatten eine Panne. Sie mussten ziemlich lange warten bis jemand vorbei fuhr, weil der Strand so abgelegen ist. Als ich mich nach dem Weg nach Lio Beach erkundigte habe ich kurzerhand ein Ticket für einen Transporter erhalten und war nur 15 Minuten später am Strand. Dort reihte sich Restaurant and Restaurant und der Fahrer meinte nur, dass ich noch glück hätte; nächsten Monat soll hier das Hotel fertig gestellt werden und der Strand wird privatisiert. Liegestühle stehen auf jedenfall schonmal da – Prioritäten muss man setzen. Also habe ich dieses kleine Stücklein Paradies noch genossen. Ab und zu flog ein kleiner Flieger ganz tief über den Himmel und setzte im Flughafen hinten dran zur Landung an.

Lio Beach

Fazit

Von El Nido bin ich mit dem Minivan wieder zurück nach Puerto Princesa und von da mit Air Asia zurück nach Manila geflogen. Die Zeit auf den Philippinen hat mir sehr gut gefallen – einzig das Fleischhaltige Essen war etwas gewöhnungsbedürftig. Aber die frischen Früchte, die schönen Strände und die herzlichen Einheimischen haben es mir sehr angetan. Ich werde auf jeden Fall zurück kehren und noch weitere Inseln erkunden. Da ich lediglich 2 Wochen Zeit hatte und nicht von einem Ort zum nächsten stressen wollte, habe ich mich für diese eine, dafür grössere, Insel entschieden. Das mit dem Massentourismus ist mir bereits in mehreren asiatischen Ländern aufgefallen. Grundsätzlich ist das auch nicht zu verurteilen; die Touristen bringen Geld und schaffen Arbeitsplätze. Allerdings hoffe ich, dass die Einheimischen die Gesundheit der Natur nicht ewig dem Profit unterordnen. Aber ich werde sicherlich wiederkommen.

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