Ayubowan! Heute nehme ich euch mit nach Sri Lanka. Im Rahmen einer organisierten Gruppenreise bin ich während meinem Studium durch dieses magische und leckere Land gereist. Nach den vielen Solo-Abenteuern tut es sehr gut, sich mal nicht alleine um alles zu kümmern. Direkt nach der Schule geht es auch schon los zum Flughafen. Wir fliegen über Nacht und landen am nächsten Morgen pünktlich in Colombo. Nach der Immigration geht es zum Geld wechseln. Die Sri Lankesische Rupie ist im Ausland nicht erhältlich und so mussten wir Euros oder US-Dollar organisieren um diese dann hier umtauschen zu können. Bereits der Weg zur Arrivalhall war schön feucht fröhlich tüppig. Draussen erwartete uns auch schon unser Guide inklusive zwei Fahrern in einem äusserst modernen Bus mit dem kontroversen Namen „Snowfox“. Snowfox war während den 10 Tagen unser treuer Begleiter und stand jeweils kühl und gut riechend bereit und wartete auf uns.

Kithulgala

Mit dem Reisebus geht es auch gleich los ins Landesinnere. Wie lange wir genau gefahren sind kann ich nicht sagen, da so ziemlich alle geschlafen haben. Ab und zu habe ich mich aber aufgerafft und habe die Gegen bestaunt. Hunderte von Rollern stehen überall und Bananen und Affen gehören hier auch zum Ortsbild. Irgendwo mitten im Dschungel halten wir an und spazieren in triefendem Regen mit Hab und Gut zu unserer Dschungel Lodge. Sie befindet sich mitten im Regenwald an einem breiten Fluss und ist sehr einfach ausgestattet. Der Regen donnert regelrecht auf das Wellblechdach. Hier, abseits von Wifi und warmen Wasser verbringen wir die ersten zwei Nächte. Während bereits heute Nachmittag der erste Actionpunkt auf dem Programm steht (Abseilen im Wasserfall) geniesse ich mit meiner Zimmerkollegin auf dem eigenen Balkon den Monsunregen, der über den Urwald prasselt. Zum Abendessen gibt es eine richtig grosse Auswahl an Köstlichkeiten. Reis, Bohnen, scharf, mild, Gemüse, Früchte, einfach alles was das Herz begehrt. Woher die überfüllten Bain Maries gekommen sind weiss ich nicht. Aber es hat auf jedenfall geschmeckt.

Dschungeltrekking

Nach einer durchzechten Nacht mit etwas zu viel Arak für einige von uns ging es am nächsten Morgen auf zum Dschungeltrekking. Bei schwülen 28°Grad und gefühlten 200% Luftfeuchtigkeit geht es in den Regenwald. Der Reiseleiter hat uns bereits am Vorabend informiert, dass es hier aufgrund des heftigen Regens viele Blutegel gibt und wir lange Socken und Hosen tragen sollen. Gesagt getan. Der Dschungeltrekkingmeister hat uns sogar noch ein selbst gebrautes Mitteli auf die Schuhe geschmiert, das soll die Biester abschrecken. Er ist übrigens barfuss in Sandalen losgezogen. Das Gekreische war dann vorprogrammiert als nach wenigen Schritten die hässlichen Schnäggli zum Angriff ansetzen. Eine Horde von 18 weissen Europäern ist hier wohl ein Festschmaus. Die Bisse haben ja nicht mal geschmerzt, einfach geblutet wie blöd und sie sind halt schleimig und gruuusig. Abgesehen von den kleinen Würmern aus der Erde war der Rundgang aber wunderschön. Wir habne so viele exotische Pflanzen, Bäume, Früchte und Vögel gesehen. Unglaublich was hier so alles wächst. Ab und zu haben wir eine verlotterte Steinhütte gesehen die doch tatsächlich von einer Grossfamilie bewohnt wurde. Uns wird erklärt, dass die Menschen hier wohl nie eine Stadt sehen werden geschweige denn das Land verlassen um Urlaub zu machen. Das stimmt mich etwas nachdenklich. Trotzdem wirken sie irgendwie zufrieden.

Zugfahrt nach Nuwara Eliya

Zum heutigen Tag gibt es einiges zu erwähnen. Der Tag war gefühlte 18 Stunden lang. Morgens um 7 Uhr geht es los und man glaubt es kaum aber ich war also die letzte, die sich auf den Weg zum Bus gemacht hat und war sogar zu spät dran. Allerdings nicht so spät wie unser Gepäck. Ich kann im Nachhinein nicht mehr ganz rekonstruieren was der Ursprung der lustigen Geschichte war. Jedenfalls mussten wir ja unser Gepäck nicht selber schleppen sondern konnten die Rucksäcke beim Guesthouse deponieren. Ein Fahrer würde das Gepäck dann später zum Bus bringen. Da kam aber niemand und so fuhren wir los. Irgendwo zwischen steilen Kurven und Urwald hält dann der Bus weil ein hysterisch hupendes Auto rasend hinter her fährt. Es stellt sich heraus dass der Dude, der das Gepäck bringen sollte verschlafen hat und sein Kollege nicht Autofahren kann. Daher musste dann dessen Nachbar die Aufgabe übernehmen und unserem Snowfox hinterher juflen.

Wir erreichen den Bahnhof Hatton dann doch noch pünktlich und hatten sogar noch Zeit das Gleisenstellwerk zu begutachten – zumindest die Hälfte von uns. Die anderen haben sich in der Zwischenzeit bei den Essensverkäufern mit Snacks eingedeckt. Mit asiatischer Verspätung traf dann der Zug endlich ein. Er war hellblau und plötzlich erinnere ich mich an all die Bilder von Influencern, die waaghalsig aus den Türen und Fenstern hängen für den perfekten Shot. Doch der Zug ist rappelvoll und der Bahnsteig hat sich auch erstaunlich schnell mit Menschen gefüllt. Wie die Sardinen in der Dose haben wir uns in den überfüllten Zug gedrängt. Die Türen sind übrigens nicht nur offen, vieler Orts fehlt sie komplett. Aber so bleibt der Wagon immerhin schön belüftet. Allerdings ist der vollgestopfte Zug nichts für die Klaustrophoben unter uns. Ach und wer denkt, der Wagen ist voll und da kommt keiner mehr durch: der Snackmann – das Sri Lankesische Pendant zum „Sändwitsch, Gaffeee, Gogagooola“-Manndli – findet selbst mit XXL-Korb einen Weg durch die Menschenmenge.

Ceylon Tee

Nuwara Eliya ist eine ehemalige englische Kolonialstadt. Im Klubhaus, das natürlich neben einer obligaten roten Telefonzelle steht, katapultiert dich direkt zurück in die zwanziger Jahre. Wir gehen nur kurz auf die Toilette doch selbst der Spülkasten gleicht der aus dem antiken Puppenhaus von meinem Grosi! Hier gibt es einen grossen Cricketplatz und eine Pferderennbahn. Wir sind aber etwas mehr am Outletcenter interessiert. Hier gibt es irgendwo ein unscheinbarer Kellereingang, wo sich diverse Markenläden aneinander reihen. Warum? – Sri Lanka ist eines der Länder, welches Kleider für diverse Marken wie Under Armour, Nike, Colombia, etc. herstellt. Weisen die Kleider die kleinsten Mängel auf, so werden Sie nicht an die Verkaufsstellen geliefert. Hier in diesem Keller der einer Mall ähnlich sieht, werden sie zu günstigen Preisen verkauft. Natürlich steht auf unserer Stirn fett und weiss „Tourist“ drauf und es braucht schon ziemliches Märt-Geschick um den Preis runter zu handeln. Auf dem Weg zurück zum Clubhouse scheisst mich noch ein Vogel an. Und als ob das nicht reicht, hat der Arme Kerl noch Dünnschiss. Ich verzichte hier aber auf eine nähere Ausführung der Konsistenz. Weiter gehts über einen Pass und stolz erzählt uns der Guide, dass wir soeben den höchsten Punkt Sri Lankas überquert haben. Ich glaube es waren 600 Meter über Meer. Die Landschaft verändert sich und überall stehen saftig grüne Teeplantagen. Wir sehen auch die Plantage der Queen aus der Ferne. Sie bezieht ihren Tee natürlich ausschliesslich und direkt aus der Plantage. Wir erhalten auf einer benachbarten Plantage eine Führung. Bereits vom Parkplatz aus erkennen wir die wunderschön angezogenen Teepflückerinnen. Wir wollen sie gerade für ein Foto fragen macht sie auch schon die „Money Money“ Geste. Mit dem Korb am Kopf dürfen wir uns dann auch mal ans Pflücken wagen. Das ist ziemliche Knochnarbeit. In der Fabrik lernen wir dann dass eigentlich jeder Tee aus einer Schwarzteebasis besteht. Grün- und Weisstee wird einfach länger gereift als der Schwarztee. Zum Schluss gibt es noch eine Teedegustation was sich im Nachhinein als unpraktisch herausgestellt hat. Hatten wir doch noch eine Fahrt von gut 3 Stunden vor uns und wir waren so 17 Frauen mit Schwachen Blasen. Auf dem Weg zum Bus sind wir wieder an einem sehr heruntergekommenen Haus vorbeigelaufen. Dort haben zig junge Hunde und Katzen draussen gespielt. Die Eigentümer – eine Mehrgenerationenfamilie, alles Teepflücker, haben uns dann ihr Haus gezeigt. Es war sehr einfach eingerichtet, wenn es regnet wird wohl die Hälfte der Wohnfläche nass. Die Familie im Dschungel hatte auch keine luxuriöse Wohnung, doch die Familie dort wirkte glücklicher als diese hier.

Kandy

In Kandy hatten wir ein ziemlich schickes Hotel, doch infolge des durchgetakteten Programms haben wir das Bett lediglich zum schlafen benutzt. Am nächsten Tag haben wir einen Tempel besucht, der einen Zahn vom Buddha bewacht. Dieser Zahn ist jedoch gut versteckt und sehr bewacht in einer Schatulle aufbewahrt. Die Menschenmassen – zu 99% Einheimische – waren unglaublich und absolut nicht Coronakonform. Doch gottseidank gab es damals noch keine Abstandsregeln. Sonst würden wir äuä noch heute in der Schlange stehen um den Zahn bzw. die Schatulle zu begutachten. Am Schluss haben wir noch für ein Gruppenfoto posiert. Wir wurden auch gleich zum käsigen Highlight der Sri Lankesischen Frauen. Alle fotobomten unser Föteli und standen stolz in die vorderste Reihe. Weiter geht es nach Habarana. Unterwegs auf der Autobahn sehen wir mal eben einen ausgewachsenen Elefanten der den Verkehr beobachtet. Gemütlich schlendert der Koloss der Strasse entlang. Unser nächstes Ziel sind die Höhlentempel von Dambulla, welche ein König als Dank für die Zuflucht für die Mönche erbauen liess. Es ist der grösste noch erhaltene Höhlentempel in Sri Lanka. Die Affen auf dem Weg hier hoch sind aber sehr mühsam und ärgerlich.

Habarana

Der Ort war geprägt von Gamedrives. Zuerst geht es auf zum Elefantenpark. Völlig hibbelig und wie die grössten Crocodile-Dundes freuen wir uns, mit den offenen 4×4 Safari-Jeeps durch den Dschungel zu brettern auf der Suche nach Elefanten. Doch schon das Gate zum Nationalpark erschreckt mich sehr. Hier stehen an die 15 wartenden Fahrzeuge. Mit einem abenteuerlichen Tempo fetzt der Fahrer durch den Dschungel und was uns auf der grossen Lichtung erwartet nimmt mir den Atem. Was ich zuerst sehe sind unzählige andere Safarijeeps. Erst nach einer Weile sehe ich die Elefantenherde. Es sind so viele Fahrzeuge hier, wir zählen 36! Einige fahren sogar sehr nah an die Elefantenbabies und trennen die Herde. Ich bin geschockt. Natürlich haben wir das im Anschluss unserem Guide gemeldet. Es gab aber doch noch ein Highlight: als Kind wollte ich immer ein Elefäntli als Haustier haben. Doch im Zoo habe ich dann mal gesehen wie viel so ein Grauhäuter kackt. Das Exemplar hat doch tatsächlich eine ganze Garette gefüllt! Und heute sehe ich dann auch noch beim Bullen wie lange sein Rüssel ist (nein nicht der zum Trinken, das Abflussrohr). Läck bobi dieser Johannes reichte bis zum Boden. Später geht es auf zu einer Safari im Wilpattu Nationalpark etwas nördlich. Hier ist unsere Mission Leoparden zu beobachten. Zu beginn ist der Fahrer sehr hibbelig und hält wegen jedem Tierchen an. Da er kein Englisch spricht versteht er wohl auch nicht wieso wir von diesem Güggel in freier Wildbahn (der genauso aussieht wie Housis Güggel zu Hause) nicht völlig aus dem Häusschen sind. Anyway irgendwann fängt es an zu Donnern. Dann schlägt ein Blitz fast neben uns im Boden ein und es folgt ein mortzdonnermässiges Gewitter. Und was haben wir beim Briefing gelernt? Die wilden Katzen mögen wie alle Katzen kein Wasser. Somit haben sie sich schön rar gemacht und unsere Prischfahrt blieb erfolglos was die Leoparden anbelangt. Wir haben aber ein Krokodil und einen Pfau gesehen.

Beachvibes in Kalpitiya

Zum Abschluss der Reise fläzen wir noch ein paar Nächte in einem härzigen und einfachen Beachresort nördlich von Colombo. Wir haben einen Infinitipool, die Anlage fast für uns alleine und lassen die Seele baumeln. Das Meer ist sehr wild und wird auch sofort tief, daher bevorzuge ich den Schwumm im Salzwasserpool. Es ist schön mal einfach in den Tag hinein zu leben. Auf dem Weg hierhin sind wir noch etwas weiter Richtung Norden gereist. Dort leben die muslimischen Sri Lankesen und Touristen verirren sich offenbar nicht häufig dorthin. Der Besuch auf dem Markt war sehr spannend, da er wirklich auf Locals ausgerichtet ist und nicht auf Touristen. In Kandi haben wir auch noch einen Märit besucht und der war riesig. Der schöne Part vom Markt (Gewürze, Früchte und Gemüse) war aber leider hinter dem Fleisch- und Fischmarkt. Und das stank bestialisch wenn ich das mal so nennen darf. Da hingen gerupfte Hüner, Gedärme und sonstige eingeweiden. Der Geruch hat das ganze dezent abgerundet und wohl auch den grössten Fleischfresser zum Veganer gemacht.

Fazit

Die Reise war sehr intensiv. Wir haben nur 2x am gleichen Ort übernachtet und unsere Tage waren teilweise 12 Stunden lang und vollbepackt mit Sightseeing. Es hat aber unglaublichen Spass gemacht und ich habe die Vorzüge der Gruppenreise mal wieder sehr genossen. Ich denke Sri Lanka ist kein Land das ich einfach so auf eigene Faust bereisten würde. Es liegt sicherlich auch daran dass wir teilweise abseits der Touristen unterwegs waren, aber wir haben eigentlich nie ein Restaurant oder Transportmittel gesehen. Viele Unterkünfte sind Gasthäuser die von aussen aber nicht als solche zu Erkennen sind. Zudem können viele Sri Lankis kein Englisch. Wie gesagt, wir sind teilweise an eher unkonventionellen Orten vorbei gekommen, aber das waren meine Eindrücke. Alles in allem war es aber absolut toll und ich erinnere mich sehr gerne an die Erlebnisse zurück.

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