Mein erstes Backpackingabenteuer hat mich nach Neuseeland geführt. Hier habe ich die ersten Reiseerfahrungen als Alleinreisende gesammelt. Diese sind dafür verantwortlich, dass ich mich seither von einem Abenteuer ins nächste Stürme und das Reisen und die grenzenlose Freiheit meine Leidenschaft sind. Ein grosser Teil meines Herzens habe ich an das Land der langen weissen Wolke verloren. Seit 2014 war ich bereits viermal da. Natürlich hat die Familie aus dem Telefonbuch ihren Beitrag dazu geleistet. Wann immer möglich oder wenn ich mal in der Nähe war, habe ich auf der Südinsel Neuseelands vorbeigeschaut. Gerne zeige ich euch einige Highlights und erzähle von meinen Reiseerfahrungen auf dem Weg durch Mittelerde.

Reisemittel

Während rund 6 Monaten war ich bereits hier unterwegs und da habe ich alle Reisearten ausprobiert. Ich habe in Hostels, Hotels, Cabins, Zelten und in einem Minivan übernachtet, bin mit Privat- und Mietwagen, mit dem Flugzeug, dem Camper und mit verschiedenen Busgesellschaften gereist. Meine ersten Erfahrungen habe ich mit dem organisierten Busunternehmen Stray gemacht. Allerdings sind die Tage sehr organisiert, Spontanität und Individualität kommen hier zu kurz. Wer ein kleines Budget hat oder kein eigenes Fahrzeug mieten möchte kann mit dem Intercity Bus von A nach B reisen. Der Vorteil: zu relativ guten Preisen kommst du an so ziemlich jedem Highlight vorbei und lernst dabei sogar Locals kennen. Der Mietwagen ist natürlich sehr gäbig da du dir die Kosten für teure Touren sparen kannst indem du mit dem Auto selber hinfährst. Hierbei kannst du auch wie ein harter Krieger auf Campingplätzen im Zelt schlafen, was ich nie mehr machen werde da ich mir mal 8 lange Stunden im Zelt an den Ranzen gefroren habe. Mein absoluter Favorit – ihr ahnt es sicherlich schon? – der Campervan. Dank der App Campermate sind Campingplätze, gratis Stellplätze, Frischwasser und Dumpingstations (omnomnomn) einfach zu finden. Wer vor den Touristenmassen an einem Punkt halten möchte kann das zu jeder Tages- und Nachtzeit tun, denn der Haushalt und auch das Bett sind stets da wo du bist. Der Campervan ist allerdings auch die teuerste Reiseart.

Christchurch

Die grösste Start der Südinsel ist meine absolute Lieblingsstadt. Von keiner anderen Stadt der Welt könnte ich behaupten, von überall her den Weg nach Hause zu finden. Meinen Tag starte ich am liebsten beim Brunch in einem der vielen Vintage Kaffees in der Stadt, lese ein Buch im Hagleypark und am Nachmittag fahre ich zum sünnelen an den Corsair Bay. Natürlich sind auch der Sumner Beach und Brighton Beach sehr schön. Den Sonnenuntergang schaue ich am liebsten vom Sugar Loaf aus und die wilden Partynächte sind im Oxford Terrace sehr empfehlenswert (vaterländische Kater inklusive). Natürlich gibt es noch rund siebenhundertachtundfünzig Aktivitäten und Highlights mehr, die hier jedoch den Rahmen sprengen würden.

Port Hills

Dunedin

Gute 5 Autostunden südlich von Christchurch liegt Dunedin. Die Stadt selber hat mir als Landei und Natürmädchen nicht sonderlich gefallen. Mein absolutes Highlight jedoch war der St. Claire Beach sowie die Bucht ausserhalb von Dunedin. Ebenfalls etwas ausserhalb von Downtown befindet sich die Baldwin Street, die steilste Strasse der Welt und oh dear boy, die hat es in sich. Note to myself: ein 20 jähriger Toyota ist nicht dafür vorgesehen, die Strasse hochzufahren. Hat aber trotzdem gut geklappt.

St. Claire Beach

Stewart Island

Weiter geht es Richtung Süden zum ende der Welt. Der Gateway für Stewart Island ist entweder der kleine Flughafen in Invercargill oder die Fährstation in Bluff. Wir entscheiden uns für Invercargill als Ausgangsort. Die Stadt ist Opfer grosser Abwanderung. In Downtown ist jeder dritte Laden mit Holzbrettern verschlossen und es fehlt nur noch ein Strohkneuel der durch die Strassen fegt während ein alter Mann „Spiel mir das Lied vom Tod“ auf der Mundharmonika spielt. Natürlich ging es für uns mit der Fähre nach Stewart Island, fliegen kann doch jeder. Mit dem Bus gehts also zuerst nach Bluff. Das ist quasi die Bronx von Invercargill. Das einzige was wir in dieser Stadt gesehen haben sind viele alte, vor sich hin vegetierende Busse in den Vorgärten der Häuser und eine Beerdigung. Das sind ja gute Omen… Mit einem fischkutterähnlich kleinen Böötli geht es nach Stewart Island. Die Überfahrt dauert nur eine Stunde. Es war die längste Stunde meines Lebens. Während sich die Touristen bei den 2.8m hohen Wellen die Seele aus dem Leib gekotzt haben, haben die Locals hinten im Boot in ihren Gummistiefeln gemütlich ihren Kafi mit Güx getrunken und sich Witze erzählt (wir mussten nicht Kotzen und noch heute bin ich stolz auf mein Kupferkesseli-Mägeli). Auf der südlichsten Insel in der östlichen (oder westlichen?) Hemisphäre sind wir mit waagrechtem Regen begrüsst worden. Unser Ziel hier ist ein Kiwi in freier Wildbahn zu sehen. Doch das wird uns leider nicht vergönnt. Lediglich 3% der Insel sind vom Menschen bewohnt und berührt worden. Der wilde Rest gehört Mutter Natur mit fast ausschliesslich einzigartigen Tieren und Vögeli. Ein Spaziergang durch die Waldwege bietet nebst vier Jahreszeiten in 4 Minuten auch ein wundervolles exotisches Vogelkonzert. Hier steht die Zeit still, während die Luft so frisch und gut riecht wie sonst nirgendwo auf dieser Welt, so ist ein Aufenthalt auf diesem stürmischen Fleckchen Erde einfach nur Balsam für die Seele.

Lee Bay

Milford Sound

Die Rückfahrt mit der Fähre zum Festland ist im Vergleich zur Hinfahrt ein Spaziergängli. Der nächste Halt ist im wunderschönen Te Anau. Nachdem ich dort nur mal auf der Durchreise gehalten habe, freue ich mich hier 2 Tage zu geniessen. Der Ort liegt am gleichnamigen See und ist Startpunkt für den Keplertrack und umgeben von vielen Wäldern und Hügeln (Holländer & Deutsche mögen diese Wölbungen als Berge bezeichnen). Von hier aus ist der Ausflug zum Milford Sound nicht nur günstiger sondern auch als Nachmittagsfahrt möglich. Das heisst wenn der Bus am Mittag Richtung Norden ablegt sind die ersten Busse bereits auf der Rückreise und es tummeln sich keine Touristenmassen mehr an den Aussichtspunkten. Der Milford Sound ist einer von vielen Fjorden in den Wetlands. Der Weg führt durch wunderschöne Waldabschnitte, Knobbs Flat, den Homer Tunnel bis zur Anlegestation. Im Meerwasser spiegelt sich der Mitre Peak und es windet als gäbe es kein Morgen. Mit einem Bootli geht es hinaus in den Fjord, vorbei an wunderschönen grünen Bergen und Seelöwen, die auf den Felsvorsprüngen etwas für ihren Teint tun. Ein Wasserfall reiht sich hier an den nächsten und machen die Gegen so richtig mystisch.

Milford Sound

Queenstown

Ein Katzensprung ist der Weg von Te Anau nach Queenstown, dem Adrenalin Mekka Neuseelands. An jeder Strassenecke werben die Veranstalter mit jensten Nahtoderfahrungen zu horrenden Preisen. Bungee Jumping, River Rafting, Canyon Swing, Skydiving, Jetboat und vieles mehr. Wir entscheiden uns für einen Spaziergang durch den Queenstown Garden und einem super feinen aber viel zu grossen Glace am Pier. Das Zentrum der Ortschaft ist auch hier sehr überschaubar und bietet Souvenier-Shops und einige Bars. Weltbekannt ist wohl der Ferg Burger, die Schlange zum Anstehen ist somit auch entsprechend lang. Wer es nicht allen asiatischen Touristen gleichtun möchte, der kann zu Fuss zur Queenstown Skyline wandern. Der stotzige Aufstieg oder die nicht vorhandene Kondition haben es definitiv in sich. Note to myself: der Helilandeplatz ist zwar eine wunderschöne Aussichtsplattform aber kein Picknickplatz.

Queenstown Skyline

Wanaka

Ein weiterer Katzensprung von Queenstown liegt Wanaka am gleichnamigen See. Die Gegend hier ist geprägt vom Obst- und Weinanbau. Ganz sportliche können auf den Roy’s Peak wandern, währenddessen die Geniesser ein Winetasting (nur auf Voranmeldung) auf dem Gut der Rippon Valley Winery geniessen. Wir hatten das unsägliche Glück dank Locals zum Island on a Lake on an Island on a Lake on an Island in the Ocean zu gelangen. Zu diesem speziellen Ort führt keine Tour und kein Veranstalter, lediglich ein privates Boot von einem Bekannten. Der See liegt erhöht auf der Insel im hinteren Ende vom Lake Wanaka. Am zweiten Tag segeln wir sogar mit einem Segelboot über den See. Die Abende geniessen wir mit einem leckeren BBQ auf dem Campingplatz Glendhu Bay mit Einheimischen, führen tolle Gespräche und beobachten die vielen Sterne am Himmelszelt. Solche Momente sind für die Ewigkeit und genau der Grund, warum ich süchtig nach Reisen bin.

Island on a Lake

Westküste

Von Wanaka aus geht die Reise via Franz Josef weiter zur Westküste. Die kleine Ortschaft ist insofern spannend, da der Regenwald an die Gletscher der Alpen grenzt. Der Ort ist jedoch voll von Touristen und überteuerten Angeboten wie Helikopterflüge und Gletscherwanderungen. Da ich Schnee bekanntlich nicht mag, sehe ich auch keinen Grund hier nochmals einen Abstecher zu machen. Die Westküste ist rau. Der hügelige Dschungel grenzt an das wilde tasmanische Meer und es sind wunderschöne Sonnenuntergänge zu beobachten. Hierbei bist du nie alleine, an die zehntausend Sandflies sind mit von der Partie. Die Ortschaften sind dünn gesät und der Sprit absolut teuer. Legt unbedingt einen Halt ein in Punakaiki bei den Pancake Rocks. Hier ist die Macht des Ozeans absolut atemberaubend. Die Felsen sehen aus als ob jemand unzählige Pancakes aufeinander gestapelt und sie versteinert hätte.

Westport

Abel Tasman Nationalpark

Mein persönlicher Lieblingsort auf der Südinsel ist der Abel Tasman Nationalpark. Der beste Gateway hierzu befindet sich in Marahau. Ein kleiner Ort am südlichen Eingang zum Park. Im absolut süssen Barn Hostel seid ihr zentral für Wanderungen oder erholsame Strandtage. Das Hostel bietet auch ein Lagerfeuer platz wo am Abend Abenteuer und Reisegeschichten ausgetauscht werden währenddem Marshmallows über dem Feuer brutzeln. Die bisher schönste Wanderung, die noch durch nichts getoppt wurde, führt von der Torrent Bay zurück nach Marahau. Während 12km führt der Weg durch den hügeligen Dschungel und das ganz ohne giftige Tiere.

Marahau Track

Cable Bay

Mehr durch Zufall haben wir diesen Ort entdeckt. Irgendwo nach Nelson Links abbiegen und bis zum Ende der Sackgasse fahren. Dort befindet sich ein ganz härziger Campingplatz der familirä geführt wird. Obwohl es an der Cable Bay sehr grosse Steine am Strand hat und auch das Baden keine grosse Freude bereitet, so waren die drei Tage hier ein absolutes Highlight. Ganz ohne Handyempfang und Internet haben wir hier das Vanlife in vollen Zügen genossen, gekocht und den Sonnenaufgang auf dem Sentinelhügel genossen. Der Weg hier hoch führt durch Kuhplütter und Schafkacke, ist die Aussicht aber allemal wert. Note to myself: Venice Mince ist Rehhackfleisch und bsunders gruusig.

Sentinel Hill

Kaikoura

Von Nelson aus führt der Weg entweder via Picton zur Fähre die nach Wellington auf die Nordinsel fährt, oder der Ostküste entlang nach zurück nach Christchurch. Unterwegs ist aber ein Zwischenhalt in Kaikoura Pflicht. Der ehemalige Fischerort liegt direkt vor einem Tiefseegraben der Heimat von Pottwalen und Hektor sowie Dusky Delphinen ist. Ein Whalewatching kann ich euch nur ans Herz legen. Bucht aber unbedingt das frühste Boot und wenn sie Antiseekrank-Tablettli anbieten, dankend annehmen! Während einer welligen Stunde ist das Boot über hohe Wellen Richtung Antarktis gefahren und über dem Tiefseegraben stoppten wir abrupt. Ca. 50 Meter vor uns war der Rücken eines Pottwals zu erkennen. Mit einer eindrücklichen Wasserfontäne beendete er sein Sonnenbad, tauchte elegant wieder in die Tiefe und winkte mir hierbei noch mit seiner riesigen Schwanzflosse zu. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich einen Walfisch in echt sehe und das gibt schon Gänsehaut. Auf dem Rückweg schwimmen an die hundert Dusky Dolphins neben dem Boot umher und machen sogar riesige Rückwärtssaltos. Was für ein Tag. Kaikoura ist aber für mich auch ein besonderer Ort, denn hier habe ich zum ersten mal in einem Hostel übernachtet. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern die Haare unter dem kalten Wasserhan gewaschen zu haben weil der Boiler nicht mehr funktionierte und am Abend war ich überfordert mit all den englisch sprechenden Menschen und der Offenheit dieser fremden Personen, mit denen ich doch eigentlich so viel mehr gemeinsam habe als ich zu Beginn dachte.

Pottwal

Fazit

Neuseeland war Liebe auf den ersten Blick und wird wohl immer mein Lieblingsland bleiben. Wo bitteschön wird man schon braun (oder rot) wenn es regnet? Nirgendwo auf der Welt sind die Menschen so lieb und hilfsbereit und auch ein bitzeli naiv wie hier. Die Natur ändert alle paar Kilometer komplett und während viele behaupten, Neuseeland sei das Pendant zur Schweiz, muss ich dem vehement widersprechen. Weder gibt es in der Schweiz einen Dschungel, noch ein Meer. Neuseeland besitzt zudem auch keine giftigen oder gefährlichen Tiere. Das Essen ist – ein bitzeli ungesund – aber sooo lecker und der Wein ist einfach nur ein Gaumenschmaus. Auch das Reisen ist hier absolut ungefährlich und unbedenklich und ich habe noch nie ein grusiges WC gesehen. Neuseeland, ich werde wieder kommen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: