Es waren drei Besuche in Australien nötig, bis ich endlich die Ostküste bereist habe. Beim Erstkontakt mit dem Land habe ich mich für Süd- und Westaustralien entschieden, da mich die unberührten Strände und die menschenleeren Landschaften magisch angezogen haben. Mein zweiter Abstecher hat mich nach Melbourne geführt und nun bin ich zum dritten Mal hier. Wir schreiben den 26. Februar 2020.

Sydney

Reiseland Nummer 4 auf der Weltreise. Ein Oneway Ticket von Auckland nach Sydney hat mich am frühen Morgen in die Weltmetropole geführt. Nach über zwei Monaten Neuseeland und vielen Wochen im Campervan haben wir (Carlito & ich) in Auckland bereits etwas Grossstadtluft geschnuppert und sind bereit für Sydney. Die beiden Grossstädte brachten auch eine willkommene Abwechslung in den Reisealltag der die letzten paar Wochen von Stränden und Natur bestimmt war. Wir haben uns für 3 Nächte ein Airbnb in Kings Cross gebucht. Wir sind in diesen drei Tagen viel spaziert. Von der Shoppingstrasse zum Opernhaus, durch den botanischen Garten und zur Harbour Bridge. Wir haben das Opernhouse somit von vielen Winkeln gesehen. Am schönsten fand ich den Ausblick vom Pylon Point auf der Harbour Bridge über den Hafen und die Stadt. Was besonders auffällt in der Stadt sind die vielen Jogger, die vermittlen schon ein bitzeli ein schlächtes Gwüssä für das Schoggifüdli.

Bondi Beach

Wir waren drei Tage lang in Sydney, haben die Stadt, das Essen und die Kultur genossen und irgendwie ein bisschen vergessen, dass wir keinen Plan für die Weiterreise haben. Zur Auswahl standen die Ostküste, das Red Center oder die Westküste. Letzteres habe ich bereits vor 6 Jahren bereist. Das Red Center wäre mit Flug, Bus und Tour relativ teuer gekommen, also haben wir uns, für die Ostküste entschieden. Da wir aber flexibel sein wollten haben wir uns für 2 Wochen einen Mietwagen von Sydney bis Brisbane gemietet. Den konnten wir aber erst einen Tag später abholen, also haben wir uns noch einen Zwischenstopp in Bondi Beach gegönnt und wir haben es nicht bereut. Einige Kilometer ausserhalb der Stadt befindet sich der weltbekannte Strand. Hier treffen Surfer und Haie auf Reiche und Backpacker. Der Stand war an diesem Sonntag vollgepackt mit den verschiedensten Menschen. Wie habe ich es geliebt sie alle zu beobachten.

Blue Mountains

Die gebuchte Mietwagenkategorie war natürlich nicht mehr „an Lager“ also haben wir kurzerhand ein Upgrade auf einen SUV bekommen. Klingt super, ist jedoch sehr suboptimal da der Wagen im 6. UG eines sehr kleinen Parkhauses geparkt war. Danach durfte ich das riesige Schiff einmal quer durch Sydney Downtown fahren. Auf 6 spurigen Strassen mit wirren Verkehrsschildern (auf einem stand sowas wie Wollombolobo oder so). Hallelujah. Doch irgendwie habe ich das geschafft und nach einigen Stunden fahrt sind wir im verschlafenen Katoomba angekommen. Vor einigen Wochen wüteten hier die heftigsten Buschfeuer die Australien je erlebt hat. Jedoch war in Katoomba nichts davon zu sehen. Der überschaubare Ort ist der perfekte Ausgangspunkt für die Blue Mountains. Wir haben die Three Sisters und einige Wasserfälle besucht. Und es war unsäglich heiss aber wunderschön. Bei der Ankunft waren x hunderte von Menschen auf den Aussichtsplattformen und den Wanderwegen unterwegs. So haben wir uns entschieden am nächsten Morgen vor dem Frühstück nochmals hinzulaufen um die Schönheit der Natur für uns geniessen zu können. Und das war eine super Idee. Bereits um 08.00h sind die ersten Reisebusse eingetroffen.

Byron Bay

Die Ostküste stand aus einem einfachen Grund nicht zuoberst auf der Liste. Im März ist hier Regenzeit. Die Highlights der Ostküste sind aber vor allem Strände. Und bei Regen macht das nun mal keinen Spass. Wir sind aber mit einer positiven Einstellung losgezogen und hatten sogar ab und zu Wetterglück. In den ersten paar Tagen hat es jedoch fast ununterbrochen geregnet. So kommt es dass wir die ersten 800km nach Byron Bay in nur zwei Tagen zurück gelegt haben. Was wollten wir auch gross machen bei dem Regen und im Gegenzug zu unserem super schwachen Van in Neuseeland geht dieser Mitsubishi ab wie ein Zäpfli. In Byron haben wir wiederum in einem Airbnb übernachtet und es war eine seltsame Erfahrung. Byron ist der Hippie Ort schlechthin und somit sind alle ein bisschen Alternativ eingestellt, was an und für sich ja kein Problem ist. Wir sind ja weltoffen. Obwohl es sehr tropisch ist, gab es lediglich auf natürlichen Zutaten basierte Mückenabwehrtöpfli. Dass wir gotssjämmerlich von Mücken zerstochen wurden muss ich somit wohl nicht erwähnen. Zudem waren die Besitzer sehr vegan unterwegs. Sogar der Hund wurde vegan ernährt. Etwas suboptimal, dass wir gerade ein halbes Pfund Hackfleisch gekauft haben für eine omnomnomn Bolognaise. Im Wohnungsbeschrieb stand, dass wir uns gerne in der Küche bedienen dürfen. Beim Blick auf das Fleisch hat die Eigentümerin jedoch nur widerwillig platz im Kühlschrank geschaffen. Zudem waren überall Ameisen und obwohl wir alle Lebensmittel gut verpackt hatten, mussten wir letzten Endes einiges wegwerfen wegen Ameisenbefall. Nachdem wir ein halbes Rind in Form von Hackfleisch verdückt haben wollten wir die Gastfreundschaft der Veganer nicht wegen Kannibalismus an Ameisen ausreizen.

Wir haben uns wenig willkommen gefühlt und daher auch nicht viel Zeit dort verbracht. Rund 20 Minuten Fussmarsch (über einen Hoger) trennten uns vom wunderschönen Strand und dem Ortszentrum. Wir haben viel gesünnelet, gaperöölet und im Ortszentrum flaniert. Hier ist auch der östlichste Punkt vom australischen Festland. Ein Leuchtturm und eine imposante Landschaft zieren diesen Punkt. Wir haben die einzigen Minuten ohne Regen und blauen Himmel erwischt an diesem Tag.

Nimbin

Hinter den sieben Hügeln bei den sieben Hippies befindet sich Nimbin. Ungefähr eine Autostunde von Byron entfernt findet sich das Kifferstädtli mit den verpeiltesten Menschen die ich äuä je gesehen habe. Der Ort wurde irgendwann in den 70er Jahren von Hippies „übernommen“ nach einem Hippie Festival. Seither ist es die Kifferhauptstadt Australiens und sie machen auch keinen Hehl daraus. Überall gibt es härzige Souvenierlis aus Gras. Von der Mütze über Hosen bis zur Hängematte oder Stricken ist alles aus dem grünen Wunderkraut. Mehrmals werden wir sogar gefragt ob wir Gras kaufen möchten. Normalerweise wird man eher gefragt ob man welches dabei hat. Bereits nach den ersten Kurven Landeinwärts sticht der Geschmack der Hanfpflanze durch die Klimaanlage. Die Polizei hat es aufgegeben, Leute dort zu verhaften da unterwegs viele Augen und Ohren platziert sind um vor den Ordnungswächtern zu warnen.

Rainbow Beach

Obwohl wir zwei Tage in Noosa verbracht haben, haben wir ausser Regen kein anderes Wetter erlebt. Wir haben die Zeit genutzt und mit unseren Airbnb Hosts gebierlet und über Gott und die Welt diskutiert. Zudem haben wir uns in einem Reisebüro über die Weiterreise durch die Südsee informiert. Die Pandemie ist für uns wie auch für alle Australier immer noch sehr weit weg. Aufgrund des anhaltenden Regens fahren wir ohne Eindrücke aus der wunderschönen Landschaft von Noosa weiter nach Rainbow Beach. Hier geniessen wir einen wunderschönen Sonnenuntergang. Aber der Grund für unser Besuch ist ein Ausflug nach Fraser Island. Wir unternehmen eine geführte Tour in einem mortztöndermässigen 4×4 Truck. Unser Ausflügli ist ausgebucht und so muss sich jemand mit kurzen Beinen zum Fahrer & Guide in die Führerkabine gesellen. Die eine Lady kommt leider nicht rauf also wurde kurzerhand ich ausgewählt. Meine kurzen und krummen Scheichen passten hervorragend in den kleinen Platz neben den Fahrer. Die Fährstation ist sehr spannend; der eine Hafen sei wegen Flut schon unter Wasser. Daher fahren wir zum zweiten Fährplatz. Irgendwann taucht aus dem nichts ein fahrendes Ungetüm auf. Genau zur richtigen Zeit verladen wir auf die Fähre, unsere Sandbank ist nämlich gerade unter dem Wasser versunken. Auf dem Weg zur grössten Sandinsel sehe ich sogar Delfine. Die Fahrt auf Fraser ist sehr bumpy und mein Platz an vorderster Front ist nicht mehr ganz so lukrativ – zumindest für meine Kniescheiben. Aber nach einigen Kilometer durch sandige Waldwege erreichen wir den Sandy Highway. Wegen Flug kommt das Wasser bis zu den Bäumen und der Truck fährt durch das Wasser. Vor uns liegt ein endloser Strand der regelmässig mit Wellen zugedeckt wird und ich fühle mich einfach nur frei und glücklich. Das Highlight für mich ist klar der wunderschöne und klare Regenwassersee Lake McKenzie.

Hervey Bay

Wir haben bereits nach Byron Bay die Stadt Brisbane hinter uns gelassen und sind weiter nördlich gereist. Da aber in Surfers Paradise nach wie vor viele Niederschläge gemeldet sind fahren wir noch einmal etwas nördlicher nach Hervey Bay bevor es zurück nach Brisbane geht. Hier geniessen wir einige Tage Ferien am Strand. Das Städli selbst gefällt mir nicht besonders und im Meer ist das Baden wegen Quallen verboten. Also hänken wir einfach unseren Speck an die Sonne und lassens brutzeln und lesen. Das Hostel in dem wir übernachten ist mega schön und wir können sogar von einem Free Hot Dog Dinner profitieren, wie richtige Low Budget Reisende ;-). Mittlerweile wurden die ersten Lockdowns und Einreisesperren verhängt.

Brisbane

Etwas wehmütig verabschieden wir uns in Brisi-Downtown von unserem neuen Freund und treuen Begleiter, dem Mitsubishi. Bei tropisch feuchten und heissen Temperaturen spazieren wir durch die Stadt und einmal mehr merke ich dass ich einfach zu viel Gepäck dabei habe. Die Strecke von 1.5km ist einfach zu lang und scheint endlos. Als Zückerli geht es am Schluss auch noch obsi winen moren. Schweissnass erreichen wir unsere härzige Unerkunft. Wir machen uns hurti frisch und schlendern dann durch die Innenstadt, zum City Beach und durch den botanischen Garten wieder zurück. Brisbane liegt nicht direkt am Meer sondern wird von einem Fluss umzingelt, fast wie die Aare in Bern. Am Fluss wurde mit Sand und Süsswasser eine härzige Strandlandschaft errichtet. Die Stadt gefällt mir mega gut. Aus den Medien erfahren wir, dass die ersten Airlines vorübergehend am Boden bleiben.

Agnes Water

Von Brisbane aus reisen wir mit dem Bus Richtung Norden. Da es in Noosa noch immer schiffet und wir die nächsten Orte bereits mit dem Auto bereist haben reisen wir während 8 Stunden bis nach Agnes Water hoch. Bereits beim Einsteigen erreicht ein leicht säuerlicher Geruch mein heikles Näsli. Doch der Chauffeur gibt sein bestes mit Klimaanlage und Duftspray. Die Reise schein endlos lang und irgendwann in der Nacht, als bereits zehntausend Insekten pro Quadratcentimeter in die Windschutzscheibe vom Bus geflogen sind, erreichen wir The Town of 1770, Agnes Water. Unsere Unterkunft ist kein Highlight. Das Wasser funktioniert nicht und somit kann die Toilette – die wir mit 3 anderen Parteien teilen – nicht gespült werden. Omnomnomn. Nach einem sehr unfreundliche, nicht hilfreichen und 36 Fränkigem Gespäch später (der Eigentümer hat direkt auf meine Handynummer angerufen statt via Skype), sind wir in das Hostel gegenüber gewechselt und hatten eine schöne Zeit mit Strand, Hängematte und Lesen. Wir diskutieren zum ersten Mal wie die aktuelle Situation unsere Reise beeinflussen könnte.

Unverhoffte Heimreise

Die aktuelle Weltsituation ist nun auch im Hostel ein Thema und jeder diskutiert darüber. Wir haben uns nach langem hin und her entschieden, die Reise fortzusetzen. Mit dem Bus sind wir weitere 8 Stunden nach Airlie Beach gefahren wo wir uns ein Appartement gemietet haben. Bei der Anreise durften wir nicht mehr in der Nähe vom Chauffeur sitzen aus Sicherheitsgründen. Bei der Ankunft war die Rezeptionistin ganz erstaunt dass wir aufgetaucht sind. Am nächsten Tag würden alle Gäste abreisen und sie werden die Unterkunft wohl vorübergehend schliessen da sie nur noch Annullationen haben. Am nächsten Morgen – es regnet mal wieder in Strömen – bin ich um 06:00h erwacht und mein Bauchgefühl hat mir gesagt dass wir die Reise nun abbrechen müssen. Drei Stunden später sind wir im Flugzeug nach Brisbane gesessen, 20 Stunden später im Flieger nach Dubai und 3 Tage nach meiner Entscheidung sind wir in Zürich gelandet. Noch nie habe ich so viele Tränen vergossen und war so ahnungslos wie an diesem 22. März 2020. Später haben wir erfahren, dass wir den letzten Flug von Emirates aus Australien erwischt haben. Manchmal kommt es im Leben anders als geplant. Wer von uns hätte damals schon gedacht dass wir gut 480 Tage später immer noch hier festsitzen und eine Aussicht auf unbeschränktes und freies Reisen immer noch unmöglich ist?! Daher den Moment geniessen und im jetzt leben.

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