Kambodscha

Vor genau sechs Jahren bin ich mit meinem Rucksack nach Südostasien aufgebrochen. Mit einer Freundin habe ich Malaysia und Thailand bereist. Zum Schluss bin ich dann, sehr spontan, alleine in Kambodscha gelandet. Während unserem gemeinsamen Reisemonat haben wir uns mit den Reiseaufgaben immer ein bisschen abgewechselt. Einmal organisierte ich die Weiterreise und sie unsere Tage und wimmelte die aufdringlichen Verkäufer ab, und mal andersrum. Auch während den abenteuerlichen Reisen mit dem Bus haben wir uns immer gut ergänzt. Nun war ich auf mich allein gestellt. Nach einem kurzen Nervenzusammenbruch und einer Ansage von Spiegelbild zu Spiegelbild habe ich aber das beste daraus gemacht und hatte eine wunderbare Zeit in Kambodscha.

Siem Reap

Mein erster Halt ist Siem Reap. Bereits im Anflug habe ich die vielen einfachen Hütten und staubigen Strassen gesehen und sofort realisiert, hier bin ich in der Zeit etwas zurück gereist. Da ich spontan nach Kambodscha gereist bin musste ich ein Visa on Arrival machen. Hierzu haben 10 Beamte meinen Pass akribisch durchblättert und inspiziert. Plötzlich ist einer der Zollbeamten mit meinem Pass in einem Hinterzimmer verschwunden. Hier bin ich also, in einem Drittweltland und soeben ist einer, dessen Sprache ich nicht spreche mit meinem heiligen Gral verschwunden. In meinem Hinterkopf höre ich die Stimme der Zollbeamtin in Neuseeland „Honey, never give your passport away, it is your holy travel gadget“. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt er aber gottseidank wieder zurück und ich habe mein Visum inklusive Einreisestempel erhalten.


Angkor Wat

Die Tempelanlage von Angkor Wat ist einfach unglaublich. Zu Fuss ist es nicht möglich die weitläufigen Bauten zu entdecken. Ich habe mich daher für eine Tour vom Hostel entschieden. Sicherlich nicht die günstigste Variante aber ich unterstütze gerne die Locals. Es ist einfach unglaublich was die Menschen vor rund tausend Jahren erschaffen haben. Seit dem 15. Jahrhundert sind die Anlagen jedoch nicht mehr bewohnt. Nun sind die Affen und die Natur die Hüter der Tempelanlagen. Bekannt ist die Szenerie vor allem aus dem Film „Tomb Raider“ mit Lara Croft bzw. Angelina Jolie. Ich bin jedoch bis heute der Überzeugung, dass die Tempelanlage auch Schauplatz vom Dschungelbuch ist. Leider habe ich aber nirgendwo einen im Baströckli tanzenden Balou gesehen. Was mich allerdings sehr traurig stimmte waren die vielen bettelnden Kinder die Karten und sonstige Souveniers verkauften anstatt in die Schule zu gehen.


Sonnenuntergang

Ich war etwas zu faul um 04:00h aufzustehen für den Sonnenaufgang über dem Angkor Wat zu begutachten. Also habe ich mich für den Sonnenuntergang entschieden. Als der Guide uns um vier Uhr Nachmittags auf den Hoger lotste dachte ich, der mag uns einfach nicht mehr rumfahren. Sonnenuntergang ist ja erst um 18.00h. Er wies uns einen Platz auf einer kleinen Mauer über dem Abgrund zu und schärfte uns ein, den Platz unter keinen Umständen zu verlassen. Kurze Zeit später wusste ich dann wieso: hunderte von Chinesen strömten zum Aussichtspunkt und müpften und ellbögleten wo es nur ging. Als der Sonnenuntergang sich selbst in den schönsten Farben zelebrierte, hatte ich plötzlich sogar ein Tablet vor dem Gesicht. Die kannten einfach nichts. Trotzdem eine lustige Erfahrung.


Der ominöse Drucker

Für meine Weiterreise habe ich aus Zeitgründen den Bus und das Flugzeug gewählt. Ich musste einige Tickets jedoch ausdrucken also habe ich an der Rezeption nachgefragt. Der Eigentümer vom Hostel konnte leider so gut Englisch wie ich Khmer. Mit Händen und Füssen haben wir uns dann aber verstanden und er rückte diesen wunderbaren Drucker inklusive Staubschicht hervor. Nach etlichen Papierstaus und mir unbekannten Druckergeräuschen hat er dann sogar zuverlässiger gearbeitet als sein teurer grosser und moderner Bruder in der Schweiz.


Koh Rong

Von Siem Reap geht es via Sihanoukville weiter nach Koh Rong. Das Inselparadies im Süden von Kambodscha wurde mir von Reisenden im Hostel empfohlen und es ist einfach wunderschön! Noch nie habe ich so einen perfekt schönen Strand mit tiefblauem Wasser gesehen.

Eine weniger schöne Seite von Kambodscha ist auch deren Geschichte der Roten Khmer, welche der Grund ist, dass ganze Generationen umgebracht wurden und es heute fast keine Menschen mehr über 50 Jahren gibt.

Fähre

Es gibt zwei verschiedene Reisearten um auf die Koh Rong Inseln zu kommen. Ich habe mich für die ursprüngliche Variante entschieden und bin mit solch einem Fischkutterli gereist. Es hat ganze 2 Stunden pro Weg gebraucht während die Speedfähre den selben Weg in nur 20 Minuten zurück gelegt hat. Erstaunlicherweise haben wir die Reise jedoch ohne Panne überstanden.

Fazit

Der Kontrast zwischen arm und reich ist mir hier besonders aufgefallen. Während viele Menschen in primitivsten Verhältnissen leben bauen reiche Chinesen All Inclusive Anlagen mit Casinos in Gegenden, wo Trinkwasser knapp ist und die Einheimischen ums Überleben kämpfen. Auch die Geschichte rund um die Rote Khmer ist sehr belastend. Das Land hat aber trotz allem eine wunderschöne und abwechslungsreiche Landschaft.


Lustige Zufälle

Als ich Bilder vom Angkor Wat auf Facebook hochgeladen habe, hat mich sogleich eine ehemalige Arbeitskollegin angeschrieben und erzählt, dass sie auch gerade in Siem Reap ist. Wie klein die Welt und heilig Social Media doch ist ;-). Wir haben uns dann spontan zum Abendessen verabredet und hatten einen wunderschönen Abend. Am Schluss vom Abend war die Flasche Wein leer und da ich seit mehreren Wochen keinen Alkohol mehr getrunken habe, war ich entsprechend angesäuselt. Nachdem wir uns verabschiedet haben – unsere Hostels lagen in entgegen gesetzter Richtung – habe ich bemerkt dass ich mich gerade betrunken in einem fremden Land alleine auf den finsteren Heimweg machen wollte. Mein betrunkenes Bauchgefühl hat meinem bereits ausgenockten Hirn den Befehl erteilt einen Tuktuk zu nehmen. Also habe ich ein 5 Dollar Schein (äuä das dreifache vom Preis) rausgeholt und damit ein Tuktuk hergewunken. Ich habe ihm erklärt dass er mich bitte zum Hostel zurück fahren sollte und damit er auf dumme Gedanken kommt, habe ich mein super hauendes Schweizer Sackmesser erwähnt. Ich bin heil im Hostel angekommen und am nächsten Morgen hat der Fahrer sogar auf mich gewartet und mich wieder in die Stadt gefahren weil ich ihm viel zu viel Geld gegeben habe 🙂

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