Wien

Wien

An Samstagen arbeiten hat nicht nur Nachteile. Dank Kompensationstagen gibt es des Öfteren mal verlängerte Wochenenden, wie an diesem rudimentäre Wochenende Mitte September. Vier arbeitsfreie Tage am Stück. Ich hatte tausend Ideen und mich dann von meinem Bauchgefühl leiten lassen. Schnäppchenhaft günstig habe ich mir Hin- und Rückflug sowie drei Nächte in einem Hostel gebucht.

Schloss Schönbrunn

Nach einem leckeren Frühstück im Hostel bin ich los marschiert zum Schloss Schönbrunn. Kartenlesen kann ich bis heute nicht besonders gut aber mein Orientierungssinn lässt mich nie im Stich. Nachdem ich dank meiner Kartenlesekünsten 10 Minuten in die falsche Richtung spaziert bin habe ich das Versehen beim Westbahnhof bemerkt. Durch die Mariahilfstrasse und einen Park fand ich schliesslich das etwas überlaufene und riesige Anwesen von der Kaiserin Sissi. Für einen Besuch im Schloss hätte ich mich in einer ziemlich langen Schlange anstellen müssen, weshalb ich mich für einen ausgiebigen Spaziergang im Schlossgarten entschieden habe wo ich so ziemlich jedes Touristenklischee mit Selfiestick erfüllt habe.

Kaffeehaus Vollpension

Dank meinem Reisenetzwerk bin ich zufälligerweise auf dieses wunderbare Kaffeehaus gestossen. Ein Besuch in Wien ohne Abstecher ins Kaffeehaus kam für mich nicht in Frage. Da ich nur 3 Tage Zeit mitbrachte musste ich Prioritäten setzen und Abstriche machen. Glamour (Sissi Schloss) und Schokolade übertrumpfen hier klar das Wienerschnitzel. Durch das Shoppingviertel an der Mariahilfstrasse und weiter durch den Naschmarkt spazierte ich munter weiter bis ich im Kaffeehaus Vollpension ankam. Das Konzept dieses Restaurants ist einfach wundervoll: älter werden kann vor allem in der Grossstadt sehr einsam sein. Um dieser Einsamkeit vorzubeugen wurde das Generationenkaffee Vollpension ins Leben gerufen. Da Grosis Kuchen noch immer der beste war, backen hier viele Omas was das Zeug hält und verköstigen die Gäste zu jeder Tageszeit im grossmütterlich eingerichteten Kaffee.

Hostelleben

Ich habe im Ruthensteiner Hostel in einem Vierbettzimmer übernachtet. Es war meine erste Übernachtung im Hosteldorm seit gut 6 Jahren. Beim Check in wurde mir das obere Bett vorne am Fenster zugeteilt und ich habe – obwohl das Badezimmer gleich neben unserem Zimmer war, wunderbar geschlafen. Das Hostel war zwar grösser als erhofft aber ich habe nach anfänglichen Schwierigkeiten wunderbare Menschen getroffen und schon nach dem ersten Abend habe ich eine tolle Gruppe an verschiedensten Menschen in jedem Alter und in den unterschiedlichsten Lebenslagen getroffen. Lustigerweise habe ich meine Zimmergenossinnen nie getroffen. Allerdings habe ich infolge eimer kaputten Dusche eine liebevolle Rumänin kennen gelernt. Sie war zum ersten Mal in einem Hostel und hat sich das kennen lernen neuer Leute etwas anders vorgestellt, stand sie doch splitter faser nackt vor mir und bat mich die Dusche zu reparieren. Nach meinem erfolglosem Versuch habe ich dann der Rezeptionistin Bescheid gesagt und der Barkeeper konnte uns dann helfen.

Bratislava

Bereits im Vorfeld habe ich mit einem Abstecher nach Bratislava geliebäugelt. Ich bin kein Stadtmensch und nach einem Tag Sightseeing brauche ich einen Tapetenwechsel. Die Hauptstadt der Slowakei liegt nur rund eine Stunde Zugfahrt von Wien entfernt. Am Vorabend habe ich mein Vorhaben im Kreise meiner neuen Freunde geteilt und mit einem jungen Norweger für meine Idee gewonnen. Viele der Hostelgäste kamen aus Südamerika oder Osteuropa. Für sie war Wien teuer. Doch für Norwegen und die Schweiz waren die Preise ziemlich okay. Die Ankunft in der Slowakei war schöner als gedacht. Wir haben uns beide alte Plattenbauten à la Berliner Ghetto vorgestellt und waren positiv überrascht ab all den sauberen und schönen Häusern und Hochhäusern. Über die Donau gelangten wir in die kleine und überschaubare aber schöne Altstadt. Vom Schloss oben genossen wir eine wunderschöne Aussicht über die Stadt und die Donau und in einem Hintergarten haben wir ein leckeres Mittagessen genossen. Auf dem Rückweg zum Bahnhof sind wir ganz vielen patriotisch angezogenen alten Slowaken begegnet. Irgendwo auf einem Hügel im Wald wurden es immer mehr und plötzlich standen wir mitten drin und vor uns waren Militär und Polizei in voller Schutzmontur zu sehen. Bis heute habe ich keine Ahnung was da los war aber es war amüsant. Wir haben uns dann entschieden umzukehren und sind wohlbehalten wieder in Wien angekommen.

Fazit

Die Zeit verging wie im Flug und ehe ich mich versah war auch schon Montag und ich machte mich auf den Rückweg. Schweren Herzens habe ich mich von meinen neuen Weggefährten verabschiedet. Wie gerne wäre ich ihren Abenteuern gefolgt und hätte mich auf die Suche nach einer nächsten Destination gemacht. Das Reisen liegt mir definitiv noch im Blut. Der Kurztrip war auch ein kleines Experiment für mich um zu schauen ob das Alleinreisen noch was für mich ist. Denn meine nächste Weltreise werde ich wohl alleine antreten und bevor ich nun alles Geld auf einen Traum hin spare, den ich dann nicht verwirkliche, war eine Art Qualitätssicherung nötig. Es hat sich absolut gelohnt und mir gezeigt, dass es sich auch im hohen Alter von 30 Jahren noch lohnt, die Komfortzone zu verlassen um was viel schöneres zu finden. Das Abenteuer.

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