Kolumbien Süden

Ich kenne nur wenige die Kolumbien bereist haben. Das Land hat – zu unrecht! – noch immer einen schlechten Ruf wegen den Drogenkriegen in den neunziger Jahren. Die Begeisterung meiner Familie, als ich von meinen Reiseplänen erzählt habe, hielt sich daher auch in Grenzen. Aber ich war nicht alleine in Kolumbien, ich hatte einen super Reisebuddy dabei der nicht nur Spanisch spricht sondern auch genauso weltoffen und naturverbunden ist wie ich.

Bogota

Nach vielen bewölkten und kühlen Tagen in Ecuador scheint heute zum ersten Mal die Sonne. Wir sind gestern nach einer rund 12 Stunden langen Reise mit Bus, Taxi, Flugzeug und Taxi direkt aus Baños angereist. In der 8 Millionen grossen Metropole haben wir uns für kleines Geld ein Hotel gegönnt. Nach dem obligaten Ranzenvollschlagen am Frühstücksbuffet gehen wir auf Entdeckungstour. Mit dem Uber fahren wir zum Fuss vom Monserrate, dem Hausberg Bogotas. Der Wanderweg hat aber wegen wöchentlicher Wartungsarbeiten jeden Dienstag geschlossen. Heute ist Dienstag. Also nehmen wir das Gondeli zum Gipfel hoch. Hier oben ist es relativ frisch aber immer noch angenehmer als in Ecuador. Wir lassen den Anblick auf die riesige Metropole auf uns wirken. Stadt und Häuser wohin das Auge reicht. Mittagessen geniessen wir in der La Candelaria. Wir haben rund 1.5 Stunden Zeit bevor unsere Velotour beginnt. Doch die Zeit benötigen wir denn das Servicepersonal ist hier äusserst langsam. Wie sich im Verlaufe unserer Kolumbienreise herausstellt entspricht das Tempo dem nationalen Standard. Es vergehen 15 Minuten bis wir bestellen können. Notiz am Rande: wir sind nebst einem anderen Päärli die einzigen Gäste hier. Nach einer weiteren Viertelstunde gibt es endlich die Getränke und nochmals eine halbe Stunde später kommt das Essen. Später stellen wir fest, dass es gar keine Küche gibt – das erklärt zumindest die lange Wartezeit zum Essen. Dann stellt sich aber heraus, dass auch die Rechenkünste nicht gerade die Stärke vom Servicepersonal sind. Ohne Taschenrechner geht nichts. Nach rund 1.75 Stunden und mit einer Viertelstunde Verspätung (südamerikanischer Standard) treffen wir beim Treffpunkt für die Fahrradtour ein und sind sogar mit von den ersten.

Unser Tourguide ist ein ausgewanderter Amerikaner. Er ist die Ruhe selbst, was ihm im Gewusel der Stadt mit 15 Touristen im Schlepptau zuvorkommt. Zu Beginn erklärt er uns, dass wir nicht rückwärts in die Pedale treten dürfen wenn wir schalten. Wer sich an meinen Beitrag von Vietnam erinnert der erratet auch den weiteren Verlauf der Reise: den Amerikaner hat es umgehauen. Ohne gross auf die Verkehrsregeln zu achten fahren wir kreuz und quer durch die Strassen der La Calanderia weiter zum Künstlerviertel, einem Park der als Flüchtlingszenter dient bis zum Drogen- und Rotlichtviertel. Dort beginnt es bereits zu dämmern und der Anblick der teilweise sehr jung aussehenden Frauen mit schwangeren Bäuchen beelendet mich. Alles in allem war es aber ein eindrucksvoller Tag in der Hauptstadt Kolumbiens.

Salento

Flüge hier sind ein Schnäppchen. Wir hatten die Wahl zwischen 10 Stunden (oder mehr weil hier ja nichts schnell oder pünktlich geht) mit dem Bus zu fahren oder für 50 Minuten zu fliegen. Das Flugticket hat 2x nichts gekostet und da war die Wahl somit einfach. Nach einer kurzen Autofahrt ins nichts sind wir in Salento angekommen. Das kleine Dorf liegt mitten im kolumbianischen Hochland und ist berühmt für die Wachspalmen und Kaffeeplantagen. Wir übernachten in einem härzigen Hostel und genissen das sommerlich warme Wetter und schlagen unsere Ranzen mit Kuchen voll. Am Abend spazieren wir durch die Gassen und suchen uns eines der vielen härzigen Restaurants aus. Wir enden zweimal im örtlichen Pub wo die alt eingesessenen kolumbianischen Ätis am Tejo spielen sind. Sie nehmen uns zwei Gringas wahr aber interessieren sich absolut nicht für uns. Wir fühlen uns so wohl und sind zum zweiten mal positiv überrascht wie sicher wir uns in diesem vermeintlich gefährlichen Land fühlen.

Cocora Valley

Salento ist nicht nur eine Wohlfühloase und der Geburtsort von vielen Kuchen-Büdern sondern auch Ausgangspunkt für Erkundungstouren ins Cocora Valley zu den bis zu 90 Meter hohen Wachspalmen. Mit einem Jeeptaxi hinten auf der Stossstange geht es ins Tal hinein. Leider sind die Wanderwege und die Loops nicht sehr gut beschildert. Wir wandern gute zwei Stunden durch Matsch einen steilen Hügel hinauf und sehen keine anderen Touristen. Die Irrwanderung bemerken wir dann als wir auf dem unteren Weg ebenfalls so verwirrten Touristen begegnen und gemeinsam Google Maps studieren. Wir sind aber auf dem richtigen Weg und können dann den atemberaubenden Ausblick auf die Palmen noch in vollen Zügen geniessen. Immer wieder habe ich Fotos von diesem schönen Ort gesehen und immer dachte ich „hach wäre das schön mal hier zu sein“ und jetzt stehe ich einfach hier, mitten in den hohen Wachspalmen und geniesse den Moment in vollen Zügen.

Guatape

Nach Salento fliegen wir weiter nach Medellin wo wir nochmals ein paar Tage verbringen. Einen davon geht es nach Guatape. Highlight hier für mich ist eigentlich der Piedro de Peñol, ein grosser Stein mitten in einem verzweigten Fluss- und Seensystem ausserhalb von Medellin. Der Stein hat ganze 740 Stufen due zu oberst auf den Gipfel führen. Übrigens; ohne Impfzertifikat keinen Zutritt. Von unserer Gruppe kommt nur ca. die Hälfte auf den Stein. Weiter geht es mit einer Bootsfahrt durch den verwinkelten See vorbei an den Überbleibseln von Pablo Escobars Ferienresidenz. Zum Schluss und mit leider viel zu wenig Zeit, kommen wir noch nach Guatape, der farbigen Stadt. Nach einem langen und intensivreichen Tag geht es wieder rund 3 Stunden durch die kurvige Strassen zurück nach Medellin.

Medellin

Der Flughafen in Medellin stammt wohl noch aus der Zeit vor dem Bürgerkrieg. Auf der Toilette uriniere ich mit zwei Kakerlaken synchron. Mit einem Taxi fahren wir durch die grüne Landschaft und durch einen ellenlangen Tunnel. Am ende sind wir auf einer Anhöhe und vor uns liegt ein grünes Tal mit vielen roten Backsteinhäusern. Bienvenidos à Medellin. Wir übernachten hier unverhältnismässig günstig in einem 5-Sterne Hotel in den bequemsten Betten die ich je ausprobiert habe. Während wir durch die Stadt schlendern fühlen wir uns auch hier äusserst sicher. Unser Waschtag fällt irgendwie immer auf einen Sonntag. Südamerikaner sind Katholiken und somit ist das Unterfangen, eine geöffnete Wäscherei am Sonntag zu finden, immer wieder eine Herausforderung. Mit einer ganzen Tüte voller stinkiger und verschwitzter Kleider schlendern wir durch die Stadt zum Waschsalon. Danach startet unsere Comuna 13 Tour. Einen Ausflug durch die Kunstszene wo früher die ärmsten der Armen gewohnt haben. Carlos (wie übrigens statistisch gesehen jeder zweite Südamerikaner heisst) führt uns durch das Gewusel von Strassen. Er erzählt uns von den Guerillakriegen und dem Drogenproblem in den 90er Jahren. Mein Highlight ist die Gondel die zur Verkehrsentlastung vom Hügel ins Tal und über die Stadt fährt. In der Comuna 13 gibt es auch viele Rolltreppen, damit auch die älteren immobilen Menschen die Möglichkeit haben, das Viertel zu verlassen. Überall ist Rambazamba, Strassenmusiker und Tänzer füllen die Gassen mit Leben. Medellin gefällt mir.

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