Giraffen, Gnus & Glamping

Zu meinem 31. Geburtstag habe ich mir in diesem Jahr etwas ganz exquisites geleistet. Reiseberaterin sei Dank habe ich mir anfang Jahr einen tollen Special-Deal der Edelweiss ergattert und so einen schnäppchenhaften Flug nach Tansania gebucht. Es ist mein erster Afrikabesuch und Tansania hat gleich einen Volltreffer gelandet.

Arusha

Bereits in Zürich am Gate ist unschwer zu erkennen wo es hingeht. Rund die Hälfte aller Passagiere hat schon diese typischen Touristen-Wander-Safari-Jack-Wolfskin-Ziphosen an. Da meine Schlabberflughose in einem passenden kotzgrün ist, falle ich nicht mal aus der Reihe. Ich war eben schon immer eine kleine Trendsetterin. Nach einer kurzen Nacht landen wir am frühen Morgen in Arusha. Es ist stockfinster und plötzlich rüttelt das ganze Flugzeug. Ich glaube wir sind gelandet. Plötzlich macht der Flieger auf der Rollbahn einen U-Turn. Nach einer gefühlten Ewigkeit taucht ein ebenerdiges Gebäude auf: der internationale Flughafen von Kilimandscharo in Arusha. Der Flüger wird nicht wie sonst über die Rampe sondern zu Fuss über die Treppe verlassen. Der erste Check-Point ist auch ganz professionell draussen an einem alten Schreibtisch installiert. Drinnen gibt es einen Visum Schalter und 3 Immigrationsdesks. Es gibt ein Gepäckband wo nicht mal alle Koffer darauf platz haben. Normalerweise atme ich immer bei der Gepäckausgabe nochmals durch und lege mir einen Plan zurecht um nicht von den werbenden „cheap cheap Taxi my freeeend“ Menschen überrrent zu werden. Diesesmal ist der Transfer aber mitgebucht und wir müssen lediglich unseren Fahrer suchen. Hier läuft alles sehr „Pole Pole“ (Swahili für langsam) ab. Draussen herrscht kein Geschrei, kein Gedränge sondern Schweizer Zucht und Ordnung. Alle Fahrer stehen schön militärisch in Reih und Glied. Jeder hat ein Schild mit irgend einem Namen drauf.

Den ersten Tag verbringen wir in Arusha, werden zweimal abgezockt und schlendern durch die Strassen der überschaubaren Stadt. Den Kilimandscharo lässt sich leider nicht blicken. Und es ist kalt.

Tarangire National Park

Am nächsten Morgen geht es los. Um 07.30h sollen wir bereit sein. Unser Fahrer / Guide / Reiseleiter und später auch Freund überzeugt mit Schweizer Pünktlichkeit. Er ist immer der erste am Treffpunkt. Gemütlich machen wir uns auf dem Weg zum ersten Nationalpark. In Tansania gibt es keine Autobahnen, da die Wildtiere im ganzen Land frei leben. Das heisst es brettert einfach jeder illegal mit 120kmh durch die Hauptstrassen. Am Strassenrand (also wirklich unmittelbar neben der Fahrbahn) sehen wir Geisshirten, spielende Kinder und plaudernde Männer, was man halt so neben einer Hauptstrasse macht. Bis fast zum Parkeingang ist die Strasse sogar geteert.

Beim Parkeingang hat es ein paar Schädel und Knochen von Elefanten – wer erinnert sich noch an den Elefantenfriedhof von König der Löwen? Nur die Hyänen fehlen noch. Gleich daneben gibt es Affenbrotbäume. Im Fachjargon heissen die Baobab. Die Heimat von Rafiki dem Pavian. Ich finde ja die Requisiten vom Park bereits wunderprächtig. Unser Guide löst die Eintrittsbewilligung – vergleichbar mit der Fahrbewilligung die wir hier brauchen um zum Beispiel auf Jöggus Alp zu fahren – und ungefähr 5 Minuten später spazieren einfach die ersten Warzenschweine, Zebras und Gnus vor dem Auto durch. Ich falle ins Loch und es kostet mich eine monströse Priese Selbstbeherrschung um nicht einfach laut und unkontrolliert vor Freude zu quietschen. Unser Fahrer fährt einfach weiter und ich so „neiiiin anhalten, muss Föteli machen“. Er daraufhin nur so ganz gelassen „pole pole, wir sehen nachher noch viel mehr davon in einer schöneren Szenerie“. Woher will der das wissen, wir sind ja in der Wildniss.

Game Drive

Auf dem Weg zum Lunchplatz sehe ich meine ersten Zebras, Gnus, Giraffen, Pumbas und Antilopen in freier Wildbahn. Ich könnte heulen so aus dem Häusschen bin ich. Etwas später die Durchsage dass Löwen gesichtet wurden. Wir fresen zum besagten Ort und ich bin etwas schockiert dass hier noch siebenundzwanzig andere Safariautos stehen.

Das Mittagessen geniessen wir in einer Lodge etwas erhöht mit Blick auf den Tarangire Fluss. In der Trockenzeit ist der mittlerweile schmale Bach eine der einzigen Wasserspender für die Tiere. Unten am Flussbecken tummeln sich darum auch zwei Elefantenfamilien, Giraffen, ein Strauss und mehrere Zebras, Gnus und Antilopen. Ein Mittagessen mit solch grandioser Aussicht hatte ich noch nie. Ich glaub ich bin im Traum. Nebst einem grossen Fernrohr gibt es auch eine Vorrichtung für ein Lagerfeuer. Ich bin etwas traurig, dass nicht das hier unser Camp für die Nacht ist. Als guter Reiseberater weiss ich über die Reisen meiner Kunden immer besser Bescheid als über meine eigenen. Daher habe ich keine Ahnung wo wir heute übernachten. Am frühen Nachmittag machen wir uns auf den Weg zu unserem Lager. Irgenwann sind wir gefühlt mitten im Nirgendwo und plötzlich spaziert ein Elefantenbulle nur gerade mal 2 Meter vor unserem Auto durch. Gemütlich spaziert er zum Baum auf der anderen Strassenseite und beginnt zu essen. Elefanten bewegen sich auch Pole-Pole. Dann plötzlich taucht noch ein zweiter Bulle auf, und noch einer und noch einer. Und das beste, wir sind mausbeinalleine. Weit und breit sind keine anderen Fahrzeuge oder Touristen zu sehen. Was für ein erfolgreicher Abschluss.

Glamping

Nach meiner absolut kalten, windigen und furchteinflössenden Campingerfahrung in Neuseeland habe ich mir geschworen, nie mehr in einem Zelt zu übernachten. Doch dann kam eine neue Ära die sich Glamping nennt. Campen für Pussys wie mich. Die erste Nacht verbringe ich an einem paradiesisch schönen Ort in einem Himmelbett unter einem millionen schweren Sternenhimmel. Die Lodge hat keinen Handyempfang, befindet sich auf einer Anhöhe über dem Tarangire Park und ist einfach ein Ort um die Seele baumeln zu lassen. Ein wunderschöner Sonnenuntergang der von einem leckeren Abendessen abgelöst wird und in eine sternenklare Nacht übergeht endet im wohl bequemsten Bett in dem ich je war. Am nächsten Morgen – Mutti ist natürlich wieder um 06.00h hellwach, bestaune ich einfach eine Stunde lang den wunderschönen Sternenhimmel bevor er von diesem Sonnenaufgang abgelöst wird. Und wir wissen alle wie dieses Bild klingt wenn es Musik hinterlegt hätte: „häääääääää zubeinjääää…“

Ngorngoro Krater

Weiter gehts Richtung Norden. Wir fahren vorbei an Masai Dörfer, die Lehmhüttli reihen sich nahtlos an Dörfer von anderen Völkern. Einige von ihnen leben ebenfalls in Lehmhütten, andere in primitiven selbst gebauten Holzhüttli mit Wellblechdach die mit Backsteinen befestigt sind und ab und zu folgt wieder ein Betongebäude. In Tansania leben bis zu 200 verschiedene Völker unterschiedlicer Glaubensrichtungen nebeneinander und alle verstehen sich und respektieren einander. Die trockene Einöde wird langsam durch grünere Landschaften abgelöst und plötzlich finden wir uns in einem geschäftigen Örtli mit Reisfeldern, Bananenbäumen und Urwald wieder. Das ist die fruchtbare Erde vom früheren Ngorongoro Vulkan. Wir nächtigen (budgethalber) ausserhalb vom Nationalpark. Am nächsten Morgen starten wir mit einem Gamedrive im Krater. Nicht nur die Fauna sondern auch die Landschaft ist hier absolut einzigartig schön.

In dieser ganz neuen Landschaft hoffen wir auf ein Nashorn zu treffen, die sollen hier unten nämlich heimisch sein. Aber wie es in der Wildniss so geht, bestimmen die Tiere ob und wann sie gesehen werden wollen. Uns bleiben die grauen Riesen daher vorenthalten. Aber wir beobachten andere spannende Szenen. Wie zum Beispiel diese Hyäne, wir nennen Sie Ed, die eine Büffelherde mit vielen Jungtieren ausspioniert. Die Spannung ist in der Luft zu spüren. Weiter hinten am See im Krater kämpfen Schakale mit Hyänen um ein Ass und zum Schluss sehen wir noch Giraffen in den Baumkronen am Kraterrand oben.

Serengeti

Am nächsten Morgen geht es zeitig los. Heute gibt es einen langen Fahrtag. Ab dem Parkeingang zum Ngorongoro Schutzgebiet gibt es keine festen Strassen mehr. Wir fahren also rund 190km durch Schotterpisten und Schlaglöcher. Die Szenerie ändert sich immer wieder. Vom üppigen Regenwald am Kraterrand geht es weiter zu kargen Gesteinsformationen durch Wüste bis hin zur Steppe. Es ist einfach eine total andere Welt und ich fühle mich wie im König der Löwen Film. Das wird natürlich mit der entsprechenden Musik untermalt damit ich das ganze auch richtig fühlen kann. Unser Camp liegt wunderschön mitten im Nirgendwo an einem kleinen Bach wo sich Paviane und Büffel Gute Nacht sagen. Wir dürfen das Zelt bei Dunkelheit nicht alleine verlassen sondern müssen einen Angestellten per Walky-Talky anfordern. Nur blöd, dass ich äuä das Gerät über Nacht nicht ausgeschaltet habe und am Morgen dann der Akku tot war. Also mussten wir warten bis es dämmert und wir selber nach vorne spazieren konnten.

Zum Klang von gorpsenden Hippos und heulenden Hyänen einzuschlafen ist einfach unbeschreiblich schön und beruhigend. Noch nie bin ich sooo schnell weg gedöst wie hier. Am Morgen habe ich viele Tierspuren vor dem Zelt gesehen. Da draussen hat während der Nacht wohl der Büffel gesteppt. Wir beginnen den Tag mit einem Gamedrive durch die Serengeti. Zu Beginn fahren wir gefühlt Wahllos durch den Park. Plötzlich kommen Funksprüche rein und unser Guide biegt immer wieder irgendwo ab. Irgendwo bei den Felsen am Hügel sei heute Morgen früh ein Leoparde gesichtet worden. Doch wir finden ihn nicht mehr. Also fahren wir weiter und sehen plötzlich ein Löwenrudel. Eine der Löwinnen spaziert auf der Strasse durch die Safari Autos. Ich hätte sie einfach anfassen können, so nah war sie. Später sehen wir ganz weit in der Ferne endlich ein Nashorn mit einem Baby-Nashörndli. Es ist aber zu weit weg für irgendwelche Kameras, also geniesse ich einfach den Moment und beobachte es durchs Fernglas. Irgendwann macht das Auto dann komische Geräusche und wir machen einen Boxenstopp in der Autowerkstatt in der Serengeti. Dort arbeiten die Mechaniker in Overalls und FlipFlops. Mit einfachsten Tricks und Werkzeugen können sie den Öltank flicken. Ich bin schwer beeindruckt. Wir düsen weiter und sehen plötzlich einen Leoparden in einer Baumkrone, der für uns die „Big 5“ komplett macht. Auf dem Rückweg zum Camp rennt plötzlich eine Elefantenherde laut trompetend vor uns über die Strasse. Was für ein Schauspiel! Irgendetwas muss sie erschreckt haben, ich bin der festen Überzeugung, dass es eine Spinne war 😉

Big 5

Gemäss Lehrbuch sind die Big 5 Büffel, Löwe, Elefant, Leopard und Nashorn. Z. unser Guide erklärt uns, dass erstuanlich viele Gäste nur diese fünf Tiere sehen möchten. Für mich war von Beginn der Reise klar, ein Elefäntli wäre härzig aber ich freue mich über jedes Tier das ich sehe. Und ich finde jeder sollte sich nicht allzu hart auf diese „Big 5“ versteifen. Eine Safari ist viel mehr die Natur, die Szenerie der Tiere und für einen kurzen Augenblick einen Teil deren Leben zu sein als eine Liste mit Tieren abzuhaken.

Afrika hat auf jedenfall mein Herz (und Magen) erobert. Ich hatte viele schöne und aufschlussreiche Begegnungen mit den Menschen vor Ort, habe aber auch viel Leid und Armut gesehen. Korruption steht hier praktisch an der Tagesordnung. Für mich ist somit klar, Afrika unbedingt noch einmal aber auch dann sicherlich mit einer geführten Tour. Alleine mit dem Rucksack, das ist mir dann doch auch ein bisschen zu abenteuerlich. Zumal man mich Käsefrau schon von weitem als Tourist entlarvt.

Eine Antwort zu „Giraffen, Gnus & Glamping”.

  1. So schön, so guet gschribe, Fotos eifach traumhaft, gratuliere, Monika

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s