Inselparadies Sansibar

Schweren Herzens haben wir uns am Sonntag Abend von unserem Guide Z. in Arusha verabschiedet und haben wegen einer Flugverespätung einen gemütlichen Abend * ironie aus * im etwas zu kleinen und vollen Flughafengebäude verbracht. In Sansibar angekommen hat der Fahrer von der Unterkunft tatsächlich auf uns gewartet. Freudig stellt er sich vor und fragt ob wir Musik mögen. Ich natürlich sofort „Jaaa“ – keine zwei Minuten später habe ich das auch schon bereut als irgendeine melodielose „mzmzmz“ Musik aus den Boxen kam. Während C. völlig zum Beat eskaliert ist habe ich versucht mich ins Koma zu dösen um die stündige Fahrt ohne bleibenden Trommelfellschäden zu überstehen. Irgendwann sind wir links abgebogen und durch enge kleine Sandstrassen gefahren bis wir schliesslich unser Hotel erreicht haben. Dort hat die Security auch schon unsere Taschen abgenommen und uns ins Zimmer geführt. Wie ein Stein bin ich eingeschlafen. Am nächsten Morgen – im zunehmenden Alter immer mehr unter seniler Bettflucht leidend – spaziere ich zum Strand und nehme zum ersten Mal die Schönheit des kleinen Inselparadieses wahr.

Paje

Normalerweise machen die Touristen nach einer Safari noch ein paar Tage in einem der vielen (unsagbar teuren) All-Inclusive Hotels Badeferien. Die sind aber alle ziemlich ab vom Schuss und ich will das Flair der Insel fühlen und auch etwas rumspazieren. Daher bleiben wir zuerst ein paar Nächte hier bevor wir in einen anderen Teil der Insel reisen. Paje ist härzig, hat einen modernen Strandvibe mit vielen tollen Strandbars gechillter Musik, Kitesurf-Schulen und ein paar leckere Restaurants. Besonders schön sind die Sonnenuntergänge auf der HI Rooftop Skybar. Die Tage verbringen wir lesend und schlafend am Strand. Die vielen Beachboys sind relativ nervtötend, wenn du allerdings auf einem der Liegestühle bei einer Beachbar liegst, so bist du „sicher“ von ihnen. Vor allem der Kokosnussverkäufer, der laut singend seine „Coconooooot“ mit „Fresh coconut tschuiiiiiis“ verkauft ist ein Highlight.

Südliches Sansibar

Einen Strandtag tauschen wir gegen eine Entdeckungstour durch den südlichen Teil der Insel. Wir werden im Hotel abgeholt und fahren Richtung süden. Irgendwann kommen wir am kleinen Strand an wo schon ganz viele Böötli auf schwimmfreudige Touristen warten. Wir satteln die Schnorchelausrüstung und steigen zum (auch für Schweizer Verhältnisse) etwas zu gestressten Bootsfahrer ins Boot.. Bei ihm war nichts mit Pole Pole. Nachdem er uns förmlich ins Boot gejagt hat fahren wir gemächlich Richtung offenes Meer hinaus. Plötzlich telefoniert er und fährt direkt auf ein anderes Boot zu. Der andere Kapitän händigt ihm kurzerhand eine Schiffsleiter rüber – die hat unser lieber Stressmoudi wohl vergessen. Weiter gehts Richtung offener Ozean bis plötzlich die ersten Delfine aus dem Wasser springen. Unser Bootsmänndi will, dass wir DAS Erlebniss haben und schreit uns an „jump in jump in hurry hurry!!“. Da sitze ich also, in meinem sprungfesten Bikini, die Schnorchelbrille gesattelt, vor mir das offene und weissdergeier wie tiefe Meer in einem seeehr dunklen blau und hinter mir schreit mich ein Fremder unsympathischer Typ an ich soll springen. Ich höre auf mein Bauchgfühl und lande im Meer. Vor mir sehe ich eine Gruppe von 12 Delfinen wie sie ca. 5 Meter von mir entfernt in die Abgründe des Ozeans verschwinden. Wunderschön. Für einen kurzen Augenblick bin ich in einer anderen Welt. Doch beim Auftauchen bin ich wieder ins „Jetzt“ zurück geholt worden. Beim zurückschwimmen zum Boot – finde mittem im Meer aus einem Wirrwar von 8 Booten, die alle gleich aussehen, wieder das Boot von dem du gesprungen bist – brennt es mich plötzlich am ganzen Körper und mit meiner Brille tauche ich nochmal unter Wasser und sehe ganz viele kleine Quallen. So treibe ich also im Wasser, während die kleinen A****löchlein mich brennen und der sonst so gestresste Bootsfahrer absolut gemütlich die blöde Leiter ans Boot hängt. Die Quallen seien äuä nicht gefährlich meint er. Na das beruhigt mich jetzt aber. Nach ein paar weiteren Tauchgängen düsen wir dann durch das wunderschöne Blau zurück an Land.

Nungwi

Damit wir auch noch den vermeintlich schönsten Strand auf Sansibar geniessen können, verbringen wir den zweiten Teil unseres Strandurlaubes oben im Norden. Wir haben ein wundersbares Frühstück in unserem Hotel mit der neuen Besitzerin die so eine richtig spannende Lebefrau ist. Schweren Herzens verlassen wir also Paje und fahren mit einem Taxifahrer der sehr aufdringlich ist richtung Nungwi. Als er zum fünften Mal fragt ob wir am Freitag mit ihm eine Gewürztour machen erkläre ich ihm in meinem „Hangry“-Ton, dass wir ihn für die Fahrt nach Nungwi bezahlen und nicht für seine mühsamen Werbeansagen in endlosschlaufe. Der Ton war entscheidend denn ab jetzt haben wir Ruhe. Am späten Nachmittag kommen wir am Ziel an und bereits im Hotel werden wir inständig gewarnt, dass wir den Beachboys keine Touren oder sonstiges abkaufen sollen. Unten am Meer lungern sie schon wie die hungrigen Haie auf Touristen. Erst als die Flut einsetzt verschwinden sie und mit ihnen der Strand. Das Wasser reicht bis zur Treppe vom Restaurant. Der Stand sonst ist eigentlich sehr schön aber dort sonnen tut eigentlich niemand weil die absolut nervtötenden Beachboys die als Fake-Masai verkleidet sind kein Nein verstehen wollen und akzeptieren, einfach alle und jeden belagern. Wir geniessen also die letzten Tage unter der Sonne vom Liegestuhl im Hotel aus und kühlen uns dann und wann im Meer ab. Unser tägliches Unterhaltungsprogramm beinhaltet den nächtlichen Sunsetcruise mit vollgepackten Booten und ganz viel selbst gemachter Musik. Nach jedem Sunsetcruise verlässt mindestens eine betrunkene Touristin das Boot mit einem Beachboy. Richtig romantisch.

Feilschen ist die halbe Miete

Was wir relativ schnell durchblickt haben; es ist immer gut wenn du dich mit jemandem anfreundest der auf der Insel ist. Weil praktisch jeder einen Cousin, Freund oder Bruder hat der Taxifahrer ist. Dank diesem Vitamin B kommst du sogar zu guten Preisen an Ausflüge ran. Mir ist total klar, dass hier alle etwas dazu verdienen müssen und ich gebe im Urlaub auch gerne Geld aus für Ausflüge und unterstütze die Einheimischen. Aber in einem Land wo die Einheimischen für ein Kilo Reis ein paar wenige Räppli zahlen sehe ich nicht ein warum ich pro Ausflug über 100USD hinblättern muss. Das Geld fliesst nämlich am ende des Tages nicht in die Taschen der Guides oder Fahrer sondern an irgend einen reichen Geschäftsmann. So kommt es das wir einen Tagesausflug für den Gewürzmarkt & Stonetown von 235 USD pro Person für schlussendlich 50USD pro Person gebucht haben weil wir dem Taxifahrer mit der „mzmzmz-Musik“ geschrieben haben. Das zeigt wie wucherhaft und zusammengeremint die Preise hier sind. Die Liebe Lady am Tourenschalter meinte noch ganz lustig „oooh you want discount? Let me see, what discount may I give you“ und hat dann magisch mit den Händeln gefuchtelt und dramatisch die Stimme erhoben. Ehm ja genau. Wenn ich so meine Reisen verkaufen würde, dann wäre ich ja auch so vertrauenswürdig. Wir haben dann den guten Deal mit einer Pizza & Foodkoma bei Sonnenuntergang ausklingen lassen. Was für ein schöner letzter Strandtag.

Gewürzfarm

Ausflüge zu Gewürzfarmen werdne hier von allem und jedem an jeder Strassenecke angeboten. Gewürzfarmen gibt es auch zu Genüge und die touristische Unterhaltung nach dem Wissensteil ist eigentlich auch ziemlich lustig. Hast du gwusst, dass der Zimtbaum von der Wurzel über die Rinde bis hin zu den Blättern nach Zimt riecht oder dass Vanille beim wachsen genauso aussieht wie Bohnen? Es ist so spannend mal zu sehen wo unser Gewürz, das wir tagtäglich beim Kochen und Backen benutzen, eigentlich herkommt. Was mich fast am meisten beeindruckt hat ist, dass das rote um die Muskatnuss nach Parfüm riecht und unter anderem für das Coco-Chanel Parfüm verwendet wird.

Stone-Town

Zu guter letzt verbringen wir noch eine Nacht in Stone-Town. Dies aber vor allem weil unser Flug am Sonntagmorgen in aller Herrgottsfrühe geht. Am Abend machen wir noch eine Tour durch das geschäftige Städtlein. Vom Gemüse und (stinkigen) Fleisch- und Fischmarkt durch die engen Strassen vorbei am Freddie Mercury Haus bis hinunter zum Meer schlendern wir durch verwinkelte Ecken vorbei an exotischen Haustüren die noch von Zeiten der Inder und Araber auf Sansibar stammen. Vorne am Meer geniessen wir einen letzten Sonnenuntergang und lassen die ereignisreiche und von Höhenpunkten beladene Reise nochmals wirken. Was für schöne 2 Wochen das waren.

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