Eine open-end Weltreise mit spontanem Reisen wäre eigentlich der Plan gewesen. Aber an der Ostküste Australiens ist das im März 2024 nicht möglich. Ausflüge nach Fraser Island, Segeltrips zu den Whitsunday Islands und auch Hostels auf Magnetic Island sind über Wochen zum Voraus ausgebucht. Ich reise am ende der Regenzeit, also in der absoluten Nebensaison, und trotzdem ist Vorausbuchen unerlässlich. Also benutze ich die letzten Tage in Neuseeland mit Reiseplanung. Als endlich alles grob steht und die Eckpunkte reserviert sind, bekomme ich für die eine Strecke kein Busticket mehr. Kurz überlege ich mir, alles abzublasen und einfach woanders hinzureisen. Aber einige der Mehrtagesausflüge haben bereits Spesen. Also buche ich mir kurzerhand einen Mietwagen um zumindest da etwas Freiheit zu geniessen.
Noosa
Nach der Landung am späten Nachmittag in Brisbane übernehme ich meinen nicht ganz so kleinen Skoda Kamiq und übernachte im Rentnerörtchen Beachmere. Der erste Morgen weckt mich mit Sonnenschein und Palmen. Ich mache einen ausgedehnten Morgenspaziergang bevor mein Abenteuer richtig startet. Es zieht mich Richtung Noosa. Das überschaubare Kleinstädtchen ist ziemlich gewachsen und ich würde es mal als Hollywood Australiens bezeichnen. Menschen allen Alters sind perfekt gestylt, haben Botox in allen möglichen Körperwölbungen und alle sind immer am Sport machen. Bei den Noosa Heads ist der schöne Badestrand mit schönen Wellen für die Surfer. Hier beginnt auch der Noosa Nationalpark, der mit verschiedenen Trails durch die wunderschöne Landschaften führt.

Noosa Everglades
Der Preis für das schönste Hostel in Ostaustralien geht nach Noosa. Ich habe im YHA KangaRooms übernachtet, direkt beim Eingang zu den Noosa Everglades. Es war wie ein grosser Zeltplatz mit kleinen Cabins. Ich habe mir mit drei anderen Mädels ein Zimmer geteilt, das Badezimmer und die Küche waren draussen. In der Dämmerung sind dann sogar Kängurus durch das Areal gehoppelt. Die Everglades sind insofern speziell, weil es weltweit nur zwei Everglades gibt. Die einen sind in Florida und die anderen hier in Australien. Aber hier kann man Baden, denn es gibt keine Krokodile. Viele der Bäume, welche die Ufer säumen, sind Teebaumöl-Bäume. Nach einem Schwumm in den Everglades ist die Haut daher auch fein wie ein Babypopöchen.

K’gari – Fraser Island
Nach drei Tagen in Noosa reise ich weiter nach Hervey Bay. Mein nächstes Highlight ist Fraser Island oder K’gari, wie es neu genannt wird um die Aborigines, die Jahrhunderte darauf gelebt haben, zu würdigen. Die grösste Sandinsel der Welt ist einfach ein Muss. Nebst dem Sandy Highway, der jeweils nur bei Ebbe befahren werden kann, sind auch immer mal wieder Dingos zu sehen. Besonders der kristallklare Lake McKenzie ist mein persönliches Highlight. Ich habe meinen Tagesausflug mit Fraser Experience Tours gemacht. Denn ich wollte den Sandy Highway entlang fahren, den Lake McKenzie und das Shipwreck sehen. Aus Zeitgründen (und Geldgründen) habe ich keine Mehrtagestour gemacht. Der spontane Inselrundflug für CHF 55 habe ich mir dann aber doch nicht entgehen lassen und es war mein persönliches Highlight.

Agnes Water
Nach zwei Nächten fahre ich nach Agnes Water. Das kleine Hippi-Örtli ist ein guter Stopp zwischen der Sunshine Coast und dem Great Barrier Reef. Ausser surfen und chillen gibt es hier allerdings nicht allzu viel zu tun. Ich bleibe daher auch nur eine Nacht und versuche mit der Vergangenheit Frieden zu schliessen. Im 2020 haben wir hier Stundenlange Diskussionen über das Weitere Vorgehen unserer Reise geführt und diese dann einen Tag später in Airlie Beach abgebrochen um zurück in die Schweiz zu fliegen.

Yeppoon & Mackay
Was klingt wie ein Springbock aus Ouadahougou ist ein kleiner Küsten Ort in Australien. Hier hält kein Greyhound und daher hat der Ort auch sehr viel Flair. Leider ist das Hostel voll mit französischen Work & Travellern. Niemand hat Zeit und Geld, um etwas zu unternehmen. Von hier aus wollte ich eigentlich nach Keppel Island. Doch der mal wieder einsetzende Regen zusammen mit dem aufkommenden Wind sorgten für stürmische See. Der Skipper meinte zur Verkäuferin, dass er nicht weiss ob wir dann umdrehen müssten. Spätestens nach dieser Aussage bin ich froh, dass ich mich gegen den Kauf von einem Ticket entschieden habe. Ich bin zurück in die Stadt gefahren und plötzlich wurde das Wetter noch schöner und ich habe eine schöne Zeit an der Yeppoon Lagune verbracht und viel gelesen. Der nächste Ort war Mackay. Mir ist es wichtig, keine zu langen Strecken alleine zurück zu legen, daher mache ich lieber kleinere Tagesetappen und bleibe halt nur eine Nacht. Mackay hat mir aber gar nicht gefallen. Es war gross, weitläufig und ich habe kein so richtiges Ortszentrum wo das Leben sich abspielt gefunden.

Airlie Beach – Whitsundays
Ich weiss nicht ob es Zufall oder Schicksal ist, dass genau heute auf den Tag vor vier Jahren, also am 17. März 2020, wollte ich schon mal auf die Whitsundays aber das Bauchgefühl hat mir statt dessen geraten, morgens um 6.00h nach einer schlaflosen Nacht, nach Brisbane zurück zu fliegen und von da habe ich durch pur lutären Zufall den letzten Flug zurück in die Schweiz erwischt. Aber heute ist eine andere Zeit und zusammen mit 15 anderen Menschen gehe ich an Board der Waltzing Matilda. Ich fühle mich wie Jack als er an Board der Titanic geht um es dramaturgisch adäquat rüber zu bringen. Was folgt sind zwei Tage segeln durch das südliche ende vom Great Barrier Reef und ganz viel schnorcheln in sexy Stingersuits, weil die tödlichen Quallen uns innert Minuten töten können. Am Whitehaven Beach haben wir dann gerade das Leben genossen, als zwei Mitreisende, die eine Drohne fliegen liessen, uns gezeigt haben, dass wir nur wenige Meter von drei Haien den Füddu schwäichten Ich versuchte nicht panisch sondern galant wie Pamela Anderson, aus dem Meer zu waten, als ich fast auf einen Rochen gestanden wäre. Was für eine aufregende Zeit. Definitiv ein Highlight meiner Australienreise.

In Airlie Beach selber fühle ich mich zum ersten Mal an der Ostküste als wäre ich angekommen. Es ist klein, überschaubar und überall gibt es hippe Kaffees, härzige Boutiquen und eine schöne Lagune. Das Baden im Meer ist ab hier leider nicht mehr möglich wegen Quallen (Stingers).
Magnetic Island
Ein weiterer kleiner Traum geht in Erfüllung auf Magnetic Island, wo ich die härzigsten Koalabärli frei am Baum hängend beim Spazieren beobachten kann. Nicht nur die Koalas sind ein Highlight, auch die hügelige Landschaft mit Tannen, grossen Felsen und die schönsten Ausblicke auf das blaue Meer sind einfach surreal schön. Mit den Hostelmitbewohnern habe ich leider etwas mehr Pech. Alle sind junge Engländer und niemand ist älter als 20 Jahre. Ihre Gesprächsinhalte drehen sich vor allem um Party, Alkohol und Typen.

Mission Beach
Mein zweitletster Halt vor Cairns ist am Mission Beach. Hier geniesse ich meinen ersten lustigen Abend am Esstisch mit anderen Reisenden. Viele haben dieselben Erfahrungen gemacht wie ich. Obwohl es zwei Tage praktisch nur regnet, geniesse ich die Zeit im Jackaroo Treehouse Rainforest Hostel.

Cairns
Nach über 2000km bin ich angekommen und zwar wortwörtlich. In Cairns habe ich so einfach Leute kenne gelernt wie sonst nirgendwo und es war einfach eine gelungene Zeit. Ich habe mein erstes Salty (Salzwasser Krokodil) gesehen und nicht irgend ein 0815 Krokodil sondern Scarface, der berühmteste von allen, der König vom Fluss. Er ist fast 6m lang, 70 jährig und mit seinen 500kg Kampfgewicht schert er sich einen Dreck um seine Bikinifigur. Der arme Pleger hatte schon den ein oder anderen Kampf mit anderen Krokis und auch Bullsharks die sich immer mal wieder im Flussarm verirren. Auch hat der arme Chutz keine Zähne mehr. Einer von vielen Zyklonen, die seit Beginn der Regenzeit über Cairns ziehen, haben bis vor ein paar Tagen noch die Strassen geflutet und viele Häuser zerstört. Weiter oben sind Strassen durch Erdrutsche verschüttet worden. Das Cape Tribulation ist aktuell von der Aussenwelt abgeschnitten und auch die Kurandabahn fährt nicht. Ich habe trotzdem einen Tagesausflug in den Daintree Nationalpark gemacht und war wirklich überrascht von der Schönheit der hügeligen Dschungellandschaft. Da ich hier meinen Mietwagen retourniere, muss ich vorher noch ein Päckli mit Errungenschafften nach Hause schicken, das wird mir ein teures Unterfangen werden.

Surfers Paradise
Von Cairns bin ich dann für ein paar Tage nach Brisbane zurück geflogen, habe wieder dem anonymen Hostelleben in der Grosstadt getrotzt und bin dann für einen Tag nach Surfers Paradise gefahren. Das hat auch gereicht. Das Benidorm von Australien ist sehr geschäftig. Der Strand ist zwar meewga schön aber wegen den morts pleger Wolkenkratzern sitzt du ab ca. 14.00h im Schatten der Gebäude.

Fazit
Dieses Kapitel meiner Reise hat mich gelehrt, dass ich lieber alleine was unternehme, als mit jemandem der meinen Intellekt nicht stimmuliert. Gerade Australiens Ostküste ist durch die Sicherheit und Einfachheit ein beliebtes Ziel bei ganz jungen Reisenden. Wie immer bin ich die Sache ohne Vorurteile angegangen und ziehe mein persönliches Fazit. Australien gerne wieder, aber das nächste Mal wieder mit Reisebuddy und am liebsten mit einem 4×4 mit Dachzelt ;-).


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