Nepal

Nach Indien ist Nepal auf den ersten Blick Balsam pur für Ohren, Nase und natürlich für das Auge. So hat mich das Land bereits in seinen Bann gezogen, bevor ich die ersten Berge gesehen habe.

Grenzübertritt Nepal

Irgendwo in Sonauli sind wir (das sind immer noch meine 11 Reisebuddies aus der Reisegruppe und ich) über die grenze getrolet. Morgens um 04:00h sind wir mit den Tuktuks ein letztes Mal zum Bahnhof gefahren, haben uns ein letztes Mal ins Gewusel gestürzt, sechs Stunden die vorbeiziehende Landschaft bewundert, in Gorakhpur wieder ins Gewusel gestürzt und sind mit einem Minivan weitergefahren. Bei einem einheimischen Fraueli haben wir das beste Mittagessen in wäger ganz Indien genossen. Danach sind wir rund zwei Stunden im Van zur Grenze gefahren, den Ausreisestempel von Indien geholt, zu Fuss 1.5km über die Grenze gewatschelt und dann sind wir endlich in Nepal angekommen. Wow. Die Strassen sind leer. Keine Menschen. Kein Hupkonzert. Einfach nur schön. Ach und das Hotel war ja auch der füdliblutte Wahnsinn. Nach fast zwei Wochen nacktem Regentanz in schlechten indischen Duschen sind wir in einem 4-Sterne Hotel gelandet mit exorbitant toller Dusche. Das Haare waschen war definitiv das Tageshighlight.

Chitwan Nationalpark

Der nächste Tag startete gemütlich da wir uns nicht mehr nach einem Zugfahrplan richten mussten. Was für ein Luxus. Ok wir haben das mit dem Luxus nach ca. einer Viertelstunde revidiert nachdem wir die Strassenverhältnisse gesehen und vor allem gefühlt haben. Was sich anfühlte wie eine schlecht präparierte und stark in Mitleidenschaft gezogene Landstrasse stellte sich relativ schnell als die nepalesische Hauptstrasse heraus. Strasse hat dieses von Schlaglöchern gespickte Etwas aber eigentlich gar nicht verdient. Nach einer vierstündigen tiefen Rücken und Füdlimassage auf dem Sitz im Van Mitten im Nirgendwo, sind wir in einem ganz härzigen Restaurant gelandet und da habe ich meine ersten Momos in Nepal schnabuliert. Es waren die besten Momos, die ich je gegessen habe. Spoiler: das habe ich bei allen Momos in Nepal gesagt. Nach weiteren 3 Stunden gratis Rückenmassage und einigen blauen Flecken mehr sind wir im Chitwan Nationalpark angekommen. Wir haben im Homestay bei der lokalen Barauli Community übernachtet. Wir haben nicht nur lecker gegessen sondern einfach das Süsse Nichtstun und das ruhige Leben im Flachland von Nepal genossen. Auf einer Pirschfahrt am frühen Morgen habe ich dann meine ersten Nashörner in freier Wildbahn in nah gesehen. In Tansania habe ich damals eine Nashornmutti mit ihrem Baby gesehen aber nur mit Feldstecher und sicher 3km entfernt im Savannengras. Daher war es doch ein kleiner Hühnerhautmoment, als das riesige schöne Tier einfach so feucht fröhlich 300m von uns gefressen hat.

Nashörner im Chitwan Nationalpark

Insgeamt habe ich sechs Nashörner und ganz viele Geier gesehen. Die Tiger wollten sich leider nicht zeigen. Zum Sonnenuntergang habe ich mich für eine Fluss-Pirschfahrt enschieden und dabei die Krokodile aus Ice Age gesehen mit ihren lustigen Zähnen.

Krokodil im Chitwan Nationalpark

Pokhara

Die Sicht war auch im Chitwan noch sehr dunstig. Aber nach ca. einer Stunde Fahrt habe ich sie gesehen, die ersten Schneeberge und mein Herz hat etwas höher geschlagen. Bei einer Kaffeepause hat der Fahrer uns dann erklärt, dass wir vor uns – zwar sehr milchig aber doch erkennbar – das Manaslu Gebirge erkennen können. Die höchsten Gipfel dieses Massivs sind über 8000m hoch. Hühnerhaut pur. Die restliche Fahrt war dann einfach atemberaubend schön und das imposante Bergpanorama hat von den schrecklichen Strassenverhältnissen abgelenkt. In Pokhara angekommen hat mich dann die ganze Aussicht auf das Annapurna Massiv einfach nur aus den Socken gehauen. Da ragten einfach mehrere 8000 Meter hohe Berge vor mir in den Himmel. Es ist auf den Fotos schwierig zu erkennen, aber die Berge scheinen gefühlt doppelt so hoch wie unsere Berner Alpen.

Annapurna ll

Hier muss noch erwähnt werden, dass Nepal immer wieder mit Erdbeben und übermässigen Regenfällen, die zu Schlammlawinen führen, zu kämpfen hat. Sobald also ein Strassenabschnitt geflickt wurde, werden wieder zwei weitere von Murgängen zerstört.

In Pokhara habe ich mich von der Gruppe abgesetzt um die Reise noch gemütlich ausklingen zu lassen. Drei meiner Mitreisenden haben es mir gleichgetan und so sind wir drei Tage durch die gemütliche Bergstadt am See geschlendert, haben die Cafes an der Lakeside und sämtliche Momos ausprobiert. Ich habe eine Tageswanderung zum Australian Base Camp und zum Dhampus Village gemacht und bei perfektem Wetter nochmals einen näheren Blick auf das Annapurna Massiv genossen. Wir sind an vielen Bergdörfern vorbei gekommen und ich habe einfach jeden Augenblick in mich aufgesogen.

Adler über dem Annapurna Massiv

Kathmandu

Für den letzten Reiseabschnitt nach Kathmandu hatte ich die Wahl zwischen einer zehnstündigen holprigen Busfahrt durch Schlaglöcher oder einem 25-minütigen Flug in einer kleinen selbstmord-Propellermaschine. Yolo dachte ich mir und habe mich für zweiteres entschieden. Mein Flug wäre um 12.00h gestartet und einchecken geht erst eine Stunde vorher. Also bin ich, pünktlich wie wir Schweizer so sind, um 10:55h am Flughafen angekommen, wurde kurzerhand auf den 11:00h Flug umgebucht und ehe ich mich versah, sass ich schon im Flieger. Der Typ neben mir wurde vom Bodenpersonal und Kabinenpersonal laut angeschrien und dann aus dem Flieger gebracht – er wollte offenbar nach Bhadrapur und ist einfach mal im falschen Flieger gesessen. Ach ja und ich konnte sogar meine volle Wasserflasche durch den Zoll nehmen. Mit den Sicherheitsvorkehrungen scheinen sie es nicht so genau zu nehmen in Nepal. Auf jedenfall bin ich nach den 25 furchteinflösendsten Minuten meines Lebens tatsächlich lebend in in Kathmandu gelandet.

Aussicht auf Kathmandu von der Swayambhu Stupa

In der nepalesischen Hauptstadt habe ich vor allem den Stadtteil Thamel durch die verwinkelten Gassen erkundet und auch weiterhin viel Momos gegessen. Zusammen mit einer anderen Freundin aus der Gruppe habe ich mir dann auch die Swayambhu Stupa angeschaut und hatte einen herrlichen Ausblick über die Stadt. Gegen Süden ist die Gegend flach aber im Norden ist Kathmandu von Hügeln umrahmt, was der Stadt ein bisschen Charme verleiht. Wäre ich aus der Schweiz direkt nach Kathmandu geflogen, hätte mich das rege Treiben in den engen Gassen wohl überfordert. Aber nach Indien habe ich es genossen, es waren deutlich weniger Menschen, fast kein Gehupe und ich hatte nicht andauernd Todesangst, dass mich ein Verkehrsteilnehmer über den Haufen karrt.

Fazit

Nepal war sowas wie Liebe auf den ersten Blick. Ob es die hohen Berge, der ruhige Kontrast zu Indien oder auch einfach meine Reisegruppe war, kann ich nicht sagen. Vielleicht ein Mix aus allem. Ausserdem fühlte ich mich während der gesamten Reise so zufrieden und geerdet wie seit Jahren nicht mehr. Ich wollte mir während diesem Monat einfach mal Zeit geben, was neues zu entdecken. Da ich in Indien mit den öffentlichen Zügen gereist bin und ich wusste, dass es sehr chaotisch werden könnte, habe ich mich auch bewusst gegen ein Mehrtagestrekking in Nepal entschieden. Ich werde sicher irgendwann wieder zurück nach Nepal reisen und dann mit meiner Wanderausrüstung auf eine Mehrtägige Tour aufbrechen. Vielleich reicht dann mein Budget sogar für das Königreich Bhutan und um den Tibet zu erkunden. Never stop dreaming!

Sonnenuntergang über dem East Rapti River

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