Erst seit einigen Jahren sind die Philippinen als Destination ein Begriff bei Reisenden. Von unberührten Landschaften zum Massentourismus.
Cebu
Wer von Europa auf die Philippinen fliegt landet entweder in Manila oder auf Cebu. Da ich bei meiner letzten Reise die Stadt Manila und die Insel Palawan erkundet habe, zieht es mich diesmal auf die Visayas. Die Fahrt zur Unterkunft in der Stadt fühlt sich – nach Indien – absolut ruhig und gemütlich an. Die Stadt selber finde ich persönlich absolut unspektakulär und diente auch nur zum Übernachten, bevor es am nächsten Tag auf eine der unzähligen Inseln geht.
Panglao
Von Cebu gibt es unzählige Fährverbindungen zu den verschiedensten Inseln. Unser erste Insel ist Panglao, die Halbinsel unter Bohol. Die Fähre startet fast so pünktlich wie die SBB und zwei ruhige Stunden später sind wir schon am Ziel. Unterwegs hat es heftig geregnet. Wir spazieren aus dem Fährterminal, werden wieder verregnet und nehmen ein Uber zu unserer Unterkunft abseits im Dschungel. Wir sind angekommen. Was für ein schönes und tolles Gefühl. Das Wetter wird kurz sonnig, bevor die Himmelspforten sich wieder öffnen und es schüttet als gäbe es kein Morgen. Mabuhay auf den Philippinen. Der Strand vor dem Hotel ist härzig – und retrospektiv betrachtet auch der schönste auf der Halbinsel Panglao. Natürlich haben wir auch dem bekannten Alona Beach einen Besuch abgestattet. Die Menschen lagen wie de Sardinen in der Büchse auf dem nassen Sand und schon kommt ein Filipno angerannt und möchte Geld damit wir den Roller parken. Also nehmen wir schnell Reisaus und suchen einen nächsten Strand – der ist zwar menschenleer, aber nebst all dem Müll hätte sowieso niemand ein Plätzli gefunden.

Chocolate Hills
Wir mieten uns einen Roller um die Insel individuell zu erkunden. Als erstes zieht es uns nach Bohol zu den Chocolate Hills. 60 Kilometer. Oneway. Mein Allerwertester hat mir diese Tortur bis heute nicht komplett verziehen. Wer schon mal den Chrampf im Arschbäggli hatte, weiss wovon ich spreche. Jedenfalls habe ich vorgängig von vielen gelesen wie friedlich und schön dieser Ort sein soll. Wir müssen aber unten an der Strasse parken, Eintritt zahlen und dann auf einen Shuttle-Bus warten, der uns hoch bringt. Später haben wir herausgefunden, dass wir auch einfach hätten hochspazieren können. Aber der Schweizer tut halt wie ihm befohlen wird ;-). Es gibt relativ viele Touristen und so sind wir auch ziemlich rasch wieder weg.

Tarsier Auffangstation
Auf der Halbinsel Bohol sind auch die Tarsier-Äffchen zuhause. Diese härzigen Viecher haben riesige Augen, frosch-artige Fingerlein und sehen einfach zum knuddeln aus. Ob es sich wirklich um eine Auffangstation handelt ist unklar. Jedenfalls wird auch hier ein grosses Geld gemacht und es hat zig Menschen die allen Warnschildern zum Trotz mit dem Blitz die armen Dinger ablichten. Auf dem Weg zurück nach Panglao hätten wir noch fast ein paar Menschen überfahren, die gefährlich hinter einer Kurve mit ihren weissen Influenzer-Kleidchen in Szene werfen. Während rund 5km stehen am Strassenrand immer wieder Roller, Autos und Busse während mitten auf der Strasse ganze Gruppen von Menschen für Fotos posieren. Warnschild Fehlanzeige. In der Unterkunft haben wir dann herausgefunden, dass dies der offenbar bekannte Man Made Forest ist.

Siquijor
Nach drei mehr oder weniger regenreichen Tagen zieht es uns weiter nach Siquijor. Die Szenerie auf der kleinen Voodoo-Insel sieht schonmal vielversprechend aus. Bei Sonnenschein und blauem Himmel tuckern wir mit einem Tricycle rund 40 Minuten Richtung Unterkunft. Bei jedem Anstieg habe ich etwas Bammel, dass wir aussteigen und schieben müssen. Ob der Grosäti auch im selbst gebastelten Gefährt lebt habe ich leider wegen der Sprachbarriere nicht herausgefunden. Aber er führt ein Zahnbürstli, Zahnpasta und WD40 mit sich. Unser Bungalow ist ein Traum. Ein härziger Pool tront zwischen 6 Bungalows und zwischen Palmen gebettet schlafen wir zum Meeresrauschen ein. Obwohl wir direkt am Meer sind, können wir hier nicht baden wegen den Wellen und dem mausetoten Riff im Meer. Also mieten wir uns wieder ein Rollerchen und furzen um die Insel. Fazit nach der ersten Inselrundfahrt. Es gibt eine handvoll kleiner Strände, doch überall zahlen wir Eintritt und sitzen dann Tüechli and Tüechli mit allen Touristen im Sand. Im Minutentakt fliegen uns Drohnen um die Ohren. Überall sind die Influenzer stundenlang am posieren. Die Insta Boyfriens geben hier vollen Einsatz. Sie kriechen durch den Sand, legen sich bäuchlings ins seichte Gewässer um den perfekten Shot ihrer Angebeteten zu erknipsen und am Schluss ist sie dann trotzdem hässig auf ihn, weil das Foto nicht ihren Wünschen entspricht. Irgenwann finden wir dann den Little Boracay Beach und können nach über einer Woche zum ersten Mal die Sonne und das Meer geniessen bevor wieder ein Regenschauer kommt.





Fazit
Der geneigte Leser hat es schon zwischen den Zeilen gelesen. Der Funken ist beim zweiten Mal auf den Philippinen nicht gesprungen. Ich habe vorgängig auf verschiedenen Kanälen Inspiration für die Philippinen geholt und alle Beiträge und Infos von Leuten, die schon da waren, stammen aus den Jahren 2013 – 2018 und waren durchs Band weg positiv. Siquijor wie auch Bohol werden als geheime Spots und Paradies geschildert. Doch ich denke das war vor Instragram. Wir haben lange überlegt und diskutiert, wie viel Zeit wir noch auf den Philippinen verbringen möchten. Letzten Endes hat das Wetter eine grosse Rolle gespielt dass wir nach nur 10 Tagen das Land wieder verlassen haben. Ich verbuche dies unter wertvolle Lebenserfahrung. Was ich vor sieben Jahren toll fand, muss ich heute nicht mehr gleich toll finden. Die Welt und auch ich verändern uns stetig. Vielleicht sieht es in weiteren sieben Jahren ja wieder anders aus.


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