Es ist gerade Weihnachtszeit und ich befinde mich auf meiner grossen Weltreise. Australien ist schon abseits der Festtage ein nicht ganz günstiges Pflaster, daher geht es über die Feiertage zurück nach Asien.
Nusa Lembongan
Nach 3 Nächten in Bali bin ich den Verkehr, Lärm und Abfall leid. Überall hat es Menschen. Als wir – ich habe hier ein schönes Reisegspändli organisiert – eine halsbrecherische Rollerfahrt nach Kuta überlebt haben um etwas durch die Läden zu streunern, wollte ein selbsternannter Parkierungs-Chef Geld von uns. Börni hat dem Bänz dann hurti kurz erklärt wo Bartli den Most holt, und wir sind davon gedüst. Spätestens nach dieser Aktion habe ich mit dem überlaufenen Bali abgeschlossen und bin ready für die nächste Insel. Mit einer mehrbesseren Nussschale flitzen wir, nachdem wir auf dem Weg nach Sanur wieder schön im Stau rumgedümpelt sind, nach Nusa Lembongan. Vom Böötli aus klettern wir ins knietiefe Wasser und spazieren den Strand hoch. Eine Ankunft ganz nach meinem Gusto. Wir buckeln unsere Rucksäcke und spazieren zu unserem wunderschönen Bugalow. Mit einem kleinen Roller, der wohl keine 2 PS hat, entdecken wir die Insel. Wir sind fast überall die einzigen.

Nusa Ceningan
Nur eine kleine, schmale gelbe Brücke trennt Nusa Lembongan von Nusa Ceningan. Die Insel ist fast gespenstisch leer, dafür können wir uns ein wenig Luxus leisten. Wir logieren in einem kleinen Bungalow mit eigenem Pool. Auch hier drüben gibt es keine Badestrände. Bei den flachabfallenden Stränden bauen die einheimischen Seegras an (sieht aus wie Schrebergärtli die geflutet sind) und sonst gibt es nur Klippen. Daher frönen wir schön weiter in Beachclubs umenang und schlemmen das touristische Nationalgericht, Smoothiebowls und Nasi Goreng.

Nusa Penida
Mit einem weiteren kleinen Boot geht es weiter nach Nusa Penida. Börni besorgt sich gleich bei der Ankunft im Hafen einen Roller und wie die Webstübeler bringt er zuerst sein Hab und Gut in unser Bungalow in der Nähe von Crystal Bay im Dschungel. Ich warte währenddessen in der Bäckerei und beobachte das bunte Treiben im Ort. Diese Insel ist bekannt für seine schönen Klippen die über halsbrecherische Treppen zu den schönsten Stränden führen. Wir erkunden den weltbekannten Kelinging Beach und müssen schon bald feststellen, dass mindestens ganz China und halb Indien dasselbe vorhaben. Bereits mehrere Kilometer vor dem Parkplatz stehen wir im Stau. Am Zielort angekommen zahlen wir dann zum ersten Mal eine Parkgebühr. In einer Völkerwanderung treiben wir dann zum Aussichtspunkt wo sich die Menschen anstellen für das perfekte Foto. Als ich mir dann einen kleinen Blick erhasche muss ich schon zugeben, es ist wunderschön, aber der ganze Trubel rundherum macht es kaputt.

Völlig erschöpft und auch ein bisschen verstört, kommen wir wieder im Bungalow an und stellen ein paar Recherchen an, um die nächsten Tage abseits dieser Touristenmassen zu geniessen. Wir starten in ein neues Abenteuer, mit dem Roller runter zum Tembeling Beach. Im Vorfeld haben wir gelesen, dass die Einhiemischen einem eine Rollerfahrt nach unten verkaufen wollen. Der Weg ist auch sehr eng und steil. Kreuzen ist nicht möglich. Aber wir schaffen es, denn mein Reisebuddy ist ein entfernter Cousin von Valentino Rossi haben wir den Einheimischen erklärt. Wir finden ein paar natürliche Pools und einen wunderschönen Strand. Auch machen wir einen Ausflug zum Suwehan Beach. Unterwegs kommen wir an den Teletubbies Hills vorbei und landen dann an einem Warung am ende der Welt und spazieren über schweisstreibende Treppen zum schönsten Strand auf Nusa Penida.

Gili Trawangan
Die Weiterreise gestaltet sich mal wieder asiatisch. Am Morgen lädt mich mein Reisebuddy mit Sack und Pack beim Hafen ab und fährt die 20km zurück zum Bungalow und holt seine Sachen. In der Zwischenzeit suche ich den Schalter um unseren Voucher in Tickets umzutauschen. Ich troole gefühlt einmal mit meinem ganzen Hab und Gut um die Insel, werde immer wieder 100m nach vorn und 200m zurück geschickt und fluche mir schwitzend die Seele aus dem Leib. Nach einer halben Ewigkeit habe ich den rudimentären Schalter gefunden. Ich habe aber kein Internet und kann so mein Reisegspändli nicht informieren. Also haste ich von Stand zu Stand bis ich jemanden mit WLAN finde und texte meinen Standort. Wir finden uns tatsächlich in diesem endlosen Gewusel. Dann hält das Ticketfraueli uns an, ihr zu folgen. Wir befinden uns bereits am Hafen, müssen aber über Mauern klettern und durch sandige Wege ins Landesinnere zu einem Parkplatz laufen. Dort wartet ein Golfwagen-ähnliches-Gefährt, das uns zu einem anderen Hafen fährt. Dort warten wir nochmals bis wir endlich in die Fähre steigen. Nach eineinhalb ruhigen Stunden erreichen wir Gili T. Voller Vorfreude stehe ich auf, da zersplittert im vorderen Teil vom Boot eine Scheibe in tausend Stücke und fügt den Leuten dort Schnittwunden am gazen Körper zu. Ich kraxle aus dem Boot und vor mir ist der, bis auf den letzten Zentimeter überfüllte, Steg. Überall stehen Menschen und warten auf ihr Boot. Gerade war ich noch voller Vorfreude, aber der Vibe ist gerade ein bisschen dahin. Auf den Gilis gibt es keinen motorisierten Verkehr, dafür siebenhundert Velos und Pferdekutschen mit ungesund aussehenden Ponys vorne dran. Die Insel ist zugebaut und überall sind Menschen. Das Riff im klaren Wasser ist totgetreten und die Klimaanlage im Bungi funktioniert auch nicht, so dass wir die ganze Nacht grüselig vor uns her schwitzen. Immerhin haben die Mücken ihr Gaudi.

Gili Meno
Neue Insel, neues Glück. Mit einem kleinen Böötli geht es direkt vom Strand zur Nachbarinsel Gili Meno. Die Ankunft ist eine ganz andere als vorgestern. Auf dem Bootssteg sind ca. 10 Menschen und die Strandpromenade ist leer. Wir mieten ein Velo und fahren mit den Backpacks beladen durch das Inseli zu unserem nächsten Bungalow. Die Insel wirkt wie ausgestorben. Viele Flächen sind überwachsen und verwildert oder die Gebäude sind eingefallen. Schilder verraten, dass dies wohl mal Hotels waren. Das sind die Spuren vom grossen Erdbeben 2017, welches die Inseln zerstört und tagelang ohne Strom gelassen hat, wie der Besitzer uns erzählt. Die Pandemie hat dann hier wohl den Rest erledigt. Auch hier gibt es viel Abfall am Strand und tote Korallenriffe.

Lombok
Heute geht es früh los, bereits um 08.00h legt das Boot ab. Eines muss ich den Indonesiern lassen, sie sind pünktlich wie das Schweizer Guggerzytli. Allerdings hat sich der Anker irgendwo verheddert und wir kommen nicht weg. Aber gemäss meiner profunden Kenntnisse der indonesischen Sprache, erklären die Einheimischen Frauen der Besatzung wohl gerade was zu tun ist. Nach einer halben Stunde kommen wir in Bangsal an wo schon der Fahrer auf uns wartet. In einem Autööli mit kaputtem Gurt geht es mehrere Passstrassen herauf, vorbei an Affen und einmal quer durch die verschlafene Insel. Die Natur ist wuuunderschöön. Die letzten Tage verbringen wir im Süden bei Kuta. Hierholt uns einer kleiner Reiseblues ein. Zum ersten Mal kommen wir hier in den Genuss der Regenzeit. Ein grosses Gewitter mit hellen Blitzen und lautem Donner weckt uns mitten in der Nacht auf und lässt uns fast eine Stunde nicht mehr einschlafen und sorgt noch für einen Stromausfall. am nächsten Tag ist das Meer vor der Küste braun vom Schlamm, der ins Meer gespült wurde. Bäche sind überflutet und ganze Strassenabschnitte sind in ein riesiges matschiges Feld verwandelt worden. In den nächsten Tagen regnet es immer mal wieder und der Himmel bleibt grau. Für fast jeden Strand müssen wir eine Parkgebühr zahlen um dann zwischen Abfallresten zu schwimmen. Wir haben den Asienkoller. Als unser Fahrer dann noch einen Hund totfährt, lacht und einfach weiterfährt, ist für mich die gute Laune definitiv im Keller.

Flores
Anstatt mit dem Boot entscheiden wir uns mit dem Flieger von Lombok nach Flores zu fliegen. Labuan Bajo ist sehr gemütlich, die Strassen eher ruhig und die Menschen sehr nett. An jeder Hausecke möchte uns jemand eine Komodo Tour andrehen. Das machen wir dann auch, schliesslich sind wir wegen der schönen und vielfltigen Natur vom Komodo Nationalpark hierher gekommen. Mit einem kleinen Boot starten wir früh Morgens Richtung Padang Island. Wir wandern die vielen Stufen in der tropischen Hitze hoch und geniessen von oben die wunderschöne Aussicht auf die vielen indonesischen Inseln im Komodo Nationalpark. Weiter geht es zum Pink Beach der seinem Namen wirklich alle Ehre macht und zwei Schnorchelspots mitten auf dem Ozean. Das eine ist eine kleine Sandbank und beim anderen können wir mit Manta Rays schnorcheln. Der Besuch auf der Insel Komodo, der Heimat der einzig lebenden Drachen auf dieser Welt wäre das Highlight. Doch für mich war es die wunderschöne und einzigartige Natur. Hunderte von Menschen stehen rund um die einzelnen, am Strand schlummernden Tiere und machen unzählige Fotos, viele auch mit Blitz. Es war sehr eindrücklich, diese Tiere mal von nahme zu sehen aber die Art und Weise, wie die Menschen die Tiere belagern finde ich nicht okay. Am letzten Tag auf Flores mieten wir einen Roller und fahren einfach mal plan- und ziellos ins Hinterland und entdecken dabei unberührte Natur und das authentische Leben auf dieser riesigen Insel. Unsere Zeit in Indonesien lassen wir mitm einem feinen Glace vom Maison Belmont ausklingen, die beste Gelateria auf der Welt.



Fazit
Einen Monat Indonesien. Es war auf jedenfall lecker. Noch selten habe ich sooo viel Nasi und Mie Goreng gegessen. Auch die Früchte, vor allem die Mangos, sind der pure Wahnsinn. Die Farben vom Meer und der satt grüne Regenwald und die grossen Wellen und Klippen sind in Worten fast nicht zu beschreiben. Und trotzdem bin ich nicht wirklich warm geworden mit Indonesien. Vielleicht ist der Kontrast zur Westküste Australiens zu gross oder ich bin auch einfach zu „alt“ für Südostasien. Deshalb hake ich dieses Kapitel einmal ab und bin sehr dankbar für die Erfahrung. Und jetzt bin ich absolut bereit für das nächste Kapitel.

Hinterlasse eine Antwort zu Anonymous Antwort abbrechen