Südwest Australien

Für den letzten Monat meiner Weltreise geht es zurück dahin, wo mein Abenteuer damals richtig gestartet hat – nach Westaustralien. Nachdem mich der Nordwesten so richtig in seinen Bann gezogen hat, ist nun der Südwesten dran. Einen Monat, 5000km, ein Campervan und ein Bänz…

Wave Rock

Die Vorstellung für einen Fels mitten im Outback rund 400km zu fahren, klingt in der Schweiz irsinnig und vor dem Gotthard kleben sich rein beim Gedanken daran wieder ein paar auf den Asphalt. Doch in Australien ist das „just ‚round the corner“. Für uns liegt es auch einfach gerade sowas wie auf dem Weg Richtung Süden. Bei 40 Grad am Schatten richten wir unseren Camper, den wir liebevoll Trudy nennen, unter Schweissperlen ein. Da es auch nach Einbruch der Dunkelheit zu warm ist schlafen wir mit offenen Türen und Heckklappe. Wir haben ja auch schon in Swags am Boden übernachtet und auch überlebt. Die Phytons und Taranteln, die nachts wohl in unsere Trudy gekrabbelt sind, haben uns jedenfalls weder geweckt noch gefressen.

Cape Le Grande N.P

Einmal quer durchs Outback Richtung Süden gehts in den Cape Le Grande Nationalpark. Die nächsten paar Tage erkunden und geniessen wir die schönsten Strände der Welt. Auf puderzuckerweissen und feinen Quartzstränden sonnen wir unsere Büder und schauen in das surreal wirkende Meer aus den kitschigsten blau- und grüntönen. Ab und zu zeigt sich ein Schildkröttli oder wir erfahren im Nachhinein, dass am Strand wo wir gebadet haben, ein Surfer von einem Hai angeknabbert wurde.

Südküste

An der wilden Südküste mit den menschenleeren Stränden macht das Roadtrippen so richtig Freude. Den ganzen Tag verbringen wir draussen, erklimmen ein paar Gipfel um einen noch besseren Blick auf die wunderbaren Landschaften zu geniessen, sonnen an den menschenleeren Sandstrände, legen in fast jedem der raren Dörfli einen Stopp ein um ein Glace oder eine – ihr ahnt es – Caramel Slice zu schnousen und Abends lassen wir den Tag mit einem Sundowner ausklingen. Das ist der wahre Reichtum für mich. Es ist mitte März und der Sommer ist dem Herbst gewichen. Die Morgen sind im Süden unten mit knapp 10°C kühl und die Abende verbringen wir auch immer häufiger drinnen. Der grosse Vorteil dabei ist, dass die Stellplätze relativ günstig sind und wir spontan reisen können. Wir klappern die Dörfer und Highlights der Südküste ab und geniessen die ungezwungene Gespräche mit den offenen Australiern. Bernie hat sich als Koch und BBQ Master einen Namen gemacht und für mich ist dann nur noch der Job vom Abwasch-Sklaven übrig geblieben. Aber ich muss zugeben, ich war mein Geld nicht so wert denn, die Floskel „hurti“ abwaschen ist bei mir nicht selten mit einer zweistündigen Abwesenheit verbunden. Treffe ich nämlich einen Aussie am Abwaschbecken – und diese Chance ist gerade in Australien doch relativ gross – so wird geredet und es kommt schonmal vor, dass jemand von beiden vor lauter Plaudern das Abwaschen vergisst. So lerne ich, dass Dank Starlink die Kinder von den abgelegenen Farmen im Outback neu auch per Zoom und Teams unterrichtet werden und nicht mehr per Funk und dass der Neffe aus Port Hedland seine Tochter am Wochenende mal eben 6h an einen Schwimmwettkampf nach Broome gefahren hat. Pro Weg. Und am Abend dieselbe Strecke wieder zurück gefahren ist.

Margaret River

Wegen Buschfeuer müssen wir einen Teil vom Südwesten auslassen und fahren direkt in die Region Maragert River. Wir geniessen die Tage etwas ausserhalb vom Örtli, machen mal wieder Wäsche, degustieren Wein und tanken Sonne. Leider fällt auf unserem Camping der Boiler aus und bei 10°C eine eisig kalte Dusche ist dann ein Klimaschock, auf den ich gerne verzichtet hätte! Beim Bunkers Bay entgehen wir mal wieder knapp den Haien und in Hamelin Bay hätte ich beinahe die Karen gemacht als ich einem älteren Ehepäärli beim Rochen futtern zugeschaut habe.

Jurien Bay

Wir haben noch ein paar Tage übrig und sind nach fast 3 Monaten non stop Reisen müde und ausgelaugt. Wir brauchen zum Abschluss noch ein paar entspannte Tage. Unschlüssig – beide auf einen ausgeklügelten Plan des anderen hoffend – steuern wir einen Camping ca. 2h südlich von Perth an. Ohne weiteres bekommen wir einen Stellplatz auf einem ausgestorbenen Camping. Es stinkt nach einem mix zwischen Düngmittel und Hühnermist. Die wenigen Cabins sind voller Ramsch, unordentlich und sehen heruntergekommen aus. Überall stehen Schilder, dass keine Wertsachen im Camper zurück gelassen werden sollen. Das Badezimmer ist erstaunlich gross und menschenleer. Aus der hintersten Dusche tropft Wasser auf den Fliesen und in der Abenddämmerung fühle ich mich wie in einem Horrorfilm. Jetzt fehlt nur noch irgend ein grüsliger als Clown verkleideter Dude, der aus einem Senkloch hervor kriecht. Beim Spaziergang am Strand passieren wir einen kleinen Park voller Zelte und Abfall. Wir nehmen Reis-Aus und landen in Jurien Bay. Einem härzigen kleinen Dörfli direkt am Strand, rund 2h nördlich von Perth. Hier geniessen wir das Süsse Nichts-Tun auf einem Camping voller Grey Nomads, an einer weissen Sandbucht mit türkisblauem Wasser und den schönsten Sonnenuntergängen. Mein Highlight ist der Nachmittagsschwumm, wo Familie Delfin genau dann zu besuch kam und keine 10 Meter von mir durchgeschwommen sind.

Goodbye!

Meine letzte Destination auf der Weltreise ist Perth. Ich geniesse die spät herbstliche Hitzewelle am Strand bevor die Sonne auf diesem einmaligen Abenteuer, meinem Lebenstraum, ein letztes Mal untergeht. Als sich der Himmer am letzten vollen Tag tief orange färbt und das Abendrot sich fast 20 Minuten in den Wolken spiegelt, werde ich wehmütig. Ich erinnere mich noch an meinen Ersten Sonneuntergang auf Bali. Ich sass auf dem Liegestuhl im Homestay, habe gelesen und über dem Pool im kleinen Garten in einer Hinterstrasse in Nusa Penida in den Himmel geschaut und mich gefragt, wie weit mich dieses Abenteuer wohl tragen wird. Nun, nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich so viel Erleben werde. Dass ich Freundschaften schliesse, die bis heute halten. Dass ich die Freiheit in allen Zellen meines Körpers fühle. Dass ich einfach dorthin reise wo es mich hinzieht. Aber auch niemals hätte ich gedacht, dass ich mich so alleine fühle. Dass ich mich selber komplett aus den Augen verliere. Ich bin oft an meine Grenzen gekommen und darüber hinaus gewachsen. Ich bin mit einem Mietwagen alleine von Brisbane über 2000km bis nach Cairns gefahren. Bin über die Datumsgrenze geflogen und habe den 9. April 2024 gleich zweimal erlebt. In Honolulu hatte ich eine wunderschöne Zeit mit wildfremden Menschen. In Brisbane fühlte ich mich so alleine in dem riesigen Hostel und mein einziger Gesprächspartner war der 84 jährige Tony aus England. In Indien habe ich meine Geschmacksknospen auf ein völlig neues Level trainiert und mein Darm ist wohl um ein paar Bakterienkulturen strapazierfähiger geworden. In Nepal habe ich die Kunst der Momo-Zubereitung gelernt. In Costa Rica habe ich eine Nacht über der wohl schmuddeligsten Toilette ever gehangen und mir die Seele aus dem Leibe gekotzt. Dafür habe ich auf der 14 stündigen Nachtzugfahrt das WC nich einmal gebraucht. Aber das ist Reisen. Es war eine intensive Zeit und jetzt ist Zeit für ein neues Kapitel. Ob ich nun fertig bin mit dem Reisen – nein. Auf meiner Bucket-List stehen wäger mehr Länder als je zuvor. Das Reisen ist meine grosse Leidenschaft und die werde ich weiter leben, auch wenn ich dafür vielleicht keine Wohnung mehr aufgeben würde 😉

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