Einmal quer über den Nordpol fliegen mit einer dicken Winterjacke, Schal und Handschuhen im Gepäck – das ist mal was ganz neues für mich. Zusammen mit 9 unbekannten Gesichtern geht es auf eine Studienreise nach Alaska.
Anchorage
Eine sehr leere, ruhige und unspektakuläre Stadt am Anfang vom Ende der Welt. Fairerweise muss man sagen, dass das verheerende Erdbeben vom Karfreitag im Jahre 1964 vielleicht auch ein bisschen zum tristen Image der Stadt beigetragen hat. Die Gebäude scheinen lieblos an die Strassen gestellt und an jeder Ecke wimmelt es von Obdachlosen. Jede zweite Ladenfläche ist leer oder geschlossen. Aber Anchorage ist nichts desto trotz eine praktische Ausgangslage für jedes Alaska Reisli.

Whittier
Oder „It’s prettier in Whittier“ *hässlicher Schweizer Akzent aus*. Es ist auf jedenfall nochmal eine Chutte kälter als in Anchorage. Die ganze Bevölkerung von rund 300 Personen lebt in einem einzigen Hochhaus. Das alte – welches auch dem Erdbeben zum Opfer fiel – steht einfach wie ausgestorben daneben. Von hier aus starten die Gletscher-Schiffsfahrten. Die Kapitänin hat immer schön Ausschau gehalten nach Wildlife. Doch mein heiss ersehnter Walfisch hat sich nicht gezeigt. Dafür Robben, Quallen, ein Adler und viele Vögelchen und unzählige Gletscher. Der Erste Tag war definitiv bereits ein Highlight der Extraklasse.

Chugach State Park
Zu Fuss geht es weiter durch den Chugach State Park. Leider sind viele Trails wegen Bären geschlossen. Wobei wenn ich so zu Fuss durch den dichten Wald spaziere frage ich mich, wie toll ich eine Bärenbegegnung denn nun finden würde. Es gibt ja diese einfache Regel, dass du nur schneller sein musst, als der langsamste der Gruppe. Aus diesem Grund habe ich bereits in Zürich alle meine Gspändli genaustens analysiert und ein paar potenteille Opfer, die wohl einen Sprint gegen mich verlieren würden, ausgewählt. Während dem Spaziergang bin ich immer schön in deren Nähe geblieben. Better save than Sorry! Wir haben ein imenses Wetterglück und spazieren bei stahlblauem Himmel durch die gelb verfärbten Laubbäume umsäumt von majestätischen Bergen. Das erwärmt mein Herz.

Zugfahrt Richtung Norden
Mit der Alaska Railway geht es rund sechs Stunden Richtung Norden in den Denali Nationalpark. Was sich sehr rudimentär anhört wird zu einem nächsten Highlight. Die Fahrt führt uns durch die Wildnis Alaskas und während der ganzen Reise sehen wir 5 Häuschen, keine Autos und nur eine Strasse. Es ist die einzige, die nach Norden führt.

Denali National Park
Im gleichnamigen Dörfli, welches aus ungefähr 10 Hotels, einer Tankstelle, einem improvisierten Supermarkt und ein paar Restaurants besteht, übernachten wir. Die Saison hier dauert von Juni bis Mitte September. Zwei Tage nach unserer Reise wird hier alles geschlossen. Während der restlichen 8 Monate im Jahr ist das Dörflein ausgestorben und niemand lebt hier. Der Supermarkt ist entsprechend leer und für Sage und Schreibe 3 USD kaufe ich mir hier einen Apfel weil ich dank der amerikanischen Ernährung so langsam an Skorbut leide. Am nächsten Tag geht es unter stahlbaluem Himmel in den Nationalpark. Der Weg in den Park ist für private Fahrzeuge gesperrt. Nur für zum Camping oder mit einem zertifizierten Guide (in einem alten riesigen Schulbus) ist es möglich, mit dem Fahrzeug in den Park zu fahren. Der Boden ist bereits tiefrot, die verschiedenen Büsche sind voller farbiger Blätter, Bäume gibt es kaum. Nach ca. 10 Minuten sehen wir die ersten Elche. Was für ein Gänsehautmoment. Doch es kommt noch besser. Weit abseits in der Ferne ragt ein riesiger schneebedeckter Gipfel aus der Wildnis. Der Mount Denali (welcher die nicht ganz so weltoffenen Amerikaner Mt. McKinley getauft haben). Mt. Denali ist aber der Name, dem ihm die Eingeborenen gegeben haben und darum nennen wir ihn hier auch so. Unser Guide hat den Berg in dieser Saison erst 4x gesehen und er fährt fast täglich in den Park. Um den höchsten Berg und einen der Seven Summits zu sehen, braucht man also eine ordentliche Prise Glück. Gemäss unseren Recherchen liegen die Chancen bei unter 20%. Irgendwo in der Mitte vom Ende der Welt sehen wir dann auch zwei Bärenmanis, die gemütlich einen Hügel hoch trokeln… Und zum Dessert gibt es noch für alle ein Einzelzimmer in der heimeligsten Lodge.




Fairbanks
Immer weiter in die Wildnis Alaksas und Richtung Norden führt uns die Reise. War Anchorage eine verschlafene Stadt, so ist Fairbanks quasi das Feutersoey vom Simmental. Wir kommen an einem Sonntag Mittag hier an und alle Restaurants haben geschlossen. Am ende gibt es ein Dekadentes Mittagessen im McDonalds. Hier oben gibt es keine Uhren und auch keine Behörden. Jeder ist hier sein eigener Herr und Meister, denn der Polizeiposten hat weniger lange Öffnungszeiten als die Gemeindeverwaltung. Ausserhalb dieser Zeiten regeln die Einheimischen die Probleme auf eigene Faust. Natürlich bestitz jeder eine Waffe, wir sind ja in den USA. Nicht selten kommt es vor, dass Menschen verschwinden und nie wieder auftauchen. Ein mytisches Fleckchen Erde hier oben. Aber hier oben ist die Chance am grössten, das Nordlicht zu sehen. So harren wir zwei Nächte bei eisigen 5°C aus um dann doch einen kurzen Blick auf dieses Wunder von Mutter Natur zu werfen.

Fort Yukon
Heute geht es mit einem Kleinflugzeug in den nördlichen Polarkreis. Noch nie war ich so hoch im Norden. Während rund einer Stunde fliegen wir über die farbige Wildniss. Was für ein Erlebnis. Unser Ziel ist Fort Yukon. Eines der vielen abgelegenen Siedlungen im Norden Alaskas. In Alaska sind nichtmal 1% der Fläche besiedelt. Der Rest ist Wildniss. Viele Landesteile sind zudem nur über den Luft oder Wasserweg erreichbar. So auch Fort Yukon. Nach einer Stunde zeigen sich die ersten kleinen Häuschen im Wald und eine Schotterstrasse ist der Landeplatz. Am Boden werden wir auch vom selbst ernannten Bürgermeister und Tourguide begrüsst. Später stellt sich heraus, dass er auch Sheriff und Trainer der örtlichen Fussballmannschaft ist. Hier leben ca. 300 Leute und die wenigen die wir gesehen haben, standen unter Alkoholeinfluss. Zugegeben, das würde mir hier wohl auch passieren, ist die Gegend doch ca. 9 Monate im Jahr mit Schnee bedeckt. Vor jedem Haus stehen diverse ausrangierte Pickups und Schneemobile. Alte Autos werden als Ersatzteillager gebraucht, denn im Winter ist das Dorf oftmals von der Aussenwelt abgeschnitten. Ein Liter Orangensaft kostet hier 15 USD und ein Apfel 5 USD. Ich würde hier bankrott gehen, während ich an einem Alkoholproblem erkranke und irgendwo zwischen drin wohl kläglich erfrieren würde.


Knik Valley
Nach diesem sehr augenöffnenden Tagestrip geht es zurück nach Anchorage. Aber diesmal übernachten wir in der wunderschönen abgelegenen Glacier Lodge. Als letztes Highlight geht es mit dem Helikopter auf einen Gletscherrundflug. Was für ein Highlight zum Schluss dieser Reise. Mitten in der Wildniss auf einem Gletscher und dann erst noch das erste mal in meinem Leben in einem Helikopter, definitiv ein Gonfiglasmoment!

Fazit
Alaska ist definitiv etwas vom schönsten, dass ich je gesehen habe und bekommt einen Ehrenplatz in meinem Reise-Lebenslauf. Die Reise war ein Erlebnis der Extraklasse. Jeder Tag war gespickt von Hühnerhautmomenten und ein Highlight jagte das nächste. Ich bin auf ewig dankbar für diese tolle Chance und die lieben Menschen, die ich hier kennen lernen durfte. Im Reisebüro sind zwar die Löhne nicht ganz so hoch wie in anderen Branchen, aber wenn ich mit solchen Erlebnissen bezahlt werde, bin ich doch am ende des Lebens doch so viel reicher!

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